Haus der Religionen

Wie die neue Chefin das Finanzproblem angehen will

Das Haus der Religionen in Bern vereint acht Glaubensgemeinschaften und gilt als einzigartiger Ort der Begegnung. Doch die Institution schreibt rote Zahlen. Die neue Geschäftsführerin Laila Sheikh will das ändern.
Laila Sheikh ist seit Juni Geschäftsführerin des Hauses der Religionen in Bern. Zuvor war sie Programmleiterin in der Institution. Von 2001 bis 2023 hatte sie als Diplomatin im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gearbeitet. (Foto: Haus der Religionen)

Das Haus der Religionen in Bern wird von vielen Seiten geschätzt. Die interreligiöse Institution, die am Europaplatz acht Religionen vereint, kämpft aber immer wieder um finanzielle Stabilität.

Das Haus finanziert sich etwa zur Hälfte selber. Dies durch Mitgliederbeiträge, Spenden oder Einnahmen aus Veranstaltungen. Mit der Stadt Bern besteht ein Leistungsvertrag, der mit 300'000 Franken dotiert ist. Die Landeskirchen zahlen ebenfalls regelmässig Beiträge.

2024 resultierte ein Defizit von 300'000 Franken, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Im gleichen Jahr scheiterte ein politischer Vorstoss im Kantonsparlament Bern knapp, der eine finanzielle Beteiligung auf Kantonsebene gefordert hatte.

Haus soll sichtbarer werden

Der Vorstand der Stiftung reagierte laut Jahresbericht mit einer Fokussierungsstrategie. Zudem wird neu alle drei Monate ein Finanzcontrolling durchgeführt. Anfang Juni übernahm die Programmleiterin und ehemalige Diplomatin Laila Sheikh die Geschäftsführung (ref.ch berichtete). Nach ihren ersten hundert Tagen bot sie in der Sendung «Perspektiven» von Radio SRF einen Einblick in ihre Pläne.

Auch sie betont, dass das Profil der Institution geschärft werden soll. «Damit die Öffentlichkeit besser Bescheid weiss, was wir genau machen.» So schaffe man es momentan nicht, die soziale Wirkung aufzuzeigen und diese finanziell unterstützen zu lassen. Es gebe viele Gruppen, die dieses Haus zur Begegnung und Weiterentwicklung nutzen würden. «Das müssen wir besser sichtbar machen.»

Momentan leiste das Team, bestehend aus 14 Personen, unglaublich viel. «Das macht es teilweise schwierig, längerfristige Projekte umzusetzen.» Deshalb müsse man schauen, wo die Stärken des Hauses lägen. Diese sollen dann über strategische Partnerschaften mehr Öffentlichkeit erhalten. Eine Überlegung sei es, Veranstaltungen ausserhalb des Hauses, in der Stadtmitte, durchzuführen.

Mehr Professionalität einbringen

Ein grosses Potential sieht Sheikh im Bildungsbereich. «Auch da geht es darum, uns auf eine limitierte Anzahl von Fokusgruppen zu konzentrieren.» Eine Möglichkeit sei etwa eine Partnerschaft mit der Pädagogischen Hochschule. «So könnten wir mehr Kompetenz im didaktischen Bereich einholen.»

Auch in der Gastronomie, die aktuell Verluste schreibt, überlege man neue Ansätze wie eine Verpachtung an einen professionellen Anbieter. «Denn gutes Essen ist zentral für die Begegnung im Haus.»

Professionaliert werden soll auch das Fundraising. «Bisher haben wir das intern gemacht, und das kam zum Teil zu kurz.» Aktuell werde man diesbezüglich von einer Fundraiserin beraten, die vielleicht neue Wege aufzeigen könne. «Denn aktuell sind wir mehr mit dem Tun beschäftigt als mit dem Sprechen darüber.»

Gleichzeitig soll das Haus niederschwellig zugänglich bleiben. Mit den rund 300 Besucherführungen pro Jahr erziele man keinen Gewinn. «Das Portemonnaie soll kein Hindernis für einen Besuch bei uns sein», sagte Sheikh im Gespräch mit SRF.

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