Deutschland
Autor Hape Kerkeling wirbt für AfD-Verbotsverfahren
Der Entertainer und Buchautor Hape Kerkeling («Ich bin dann mal weg») hat sich im Thüringer Landtag für die Einleitung eines Verfahrens zum Verbot der rechtsnationalistischen Partei AfD ausgesprochen.
Bei einer Anhörung des Justizausschusses sagte Kerkeling in Erfurt, er spreche nicht als Verfassungsrechtler, sondern als Nachfahre eines Opfers des Nationalsozialismus. Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte sei für die Frage eines möglichen AfD-Verbots von zentraler Bedeutung.
Kerkeling kritisierte eine aus seiner Sicht verharmlosende Haltung der AfD zur NS-Zeit. Eine Partei, die ihren politischen Erfolg aus Hass gegen Minderheiten schöpfe, habe in Deutschland «mit seiner grauenhaften Geschichte» keinen Platz. Wer die Verbrechen von 1933 bis 1945 relativiere oder verharmlose, verlasse den Boden des Grundgesetzes.
Verknüpfung mit der eigenen Familiengeschichte
Das Grundgesetz ist für den homosexuellen Schauspieler, Moderator und Autor Kerkeling nach eigenen Worten eine «zum Gesetz gereifte Erinnerung» an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Menschenwürde sei unantastbar. Wer Menschen wegen ihrer Behinderung, ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe oder ihrer sexuellen Identität gezielt verängstige oder verletze, greife diese Grundlage an.
Kerkeling verband seine Argumentation mit der Geschichte seines Grossvaters Hermann Anton Kerkeling. Der 1901 geborene Kommunist hatte wenige Wochen nach Adolf Hitlers Machtergreifung 1933 gemeinsam mit einem Genossen Flugblätter gegen das NS-Regime verteilt. Zwei Tage später wurde er wegen «Vorbereitung zum Hochverrat» verhaftet und zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. 1942 wurde er als politischer Häftling in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Erst im April 1945 kam er frei.
Vergeblicher Appell an AfD-Abgeordnete
Der heute 61-jährige Kerkeling wuchs nach dem Tod seiner Mutter ab seinem achten Lebensjahr bei seinen Grosseltern auf. Die Geschichte seiner Familie beschreibt er unter anderem in seinen autobiografischen Büchern.
Kerkeling appellierte an die Abgeordneten des thüringischen Landtags, ihren Einfluss zu nutzen, um ein Verbotsverfahren anzustossen. Die AfD-Mitglieder des Justizausschusses forderte er vergeblich auf, sich noch während der Anhörung von verfassungsfeindlichen Aussagen von Mitgliedern der Partei und Anhängern öffentlich zu distanzieren. (epd/ dst)