Wahlen in Deutschland

Mehr als jeder dritte evangelische Wähler stimmte für die AfD

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt holte die AfD auch viele Stimmen von christlichen Wählerinnen und Wählern. Das zeigt die Analyse einer Forschungsgruppe.
Die AfD erhielt in Sachsen-Anhalt viele Stimmen von christlichen Wählern. (Bild: Dagmar Schwelle/Keystone/Laif)

47 Prozent der konfessionslosen Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt gaben ihre Stimme der AfD. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) exklusiv vorliegt. Katholisch.de, das Nachrichtenportal der katholischen Kirche in Deutschland, berichtete darüber

Unter evangelischen Menschen wählten nach Angaben von katholisch.de 33 Prozent die AfD, unter Katholikinnen und Katholiken waren es 32 Prozent. Insgesamt erreichte die Partei bei der Landtagswahl 43,8 Prozent der Stimmen (ref.ch berichtete).

Mehr Männer als Frauen stimmten für AfD

Die Analyse zeige zugleich, dass die CDU unter Christinnen und Christen deutlich besser abschnitt als im Gesamtergebnis, heisst es in dem Artikel. Während die Partei insgesamt auf 17,2 Prozent kam, wählten sie jeweils 26 Prozent der evangelischen und katholischen Befragten.

Auch zwischen Männern und Frauen zeigen sich Unterschiede. Unter evangelischen Männern stimmten 38 Prozent für die AfD, bei katholischen Männern waren es 37 Prozent. Bei den Frauen lagen die Werte tiefer: 29 Prozent der evangelischen und 26 Prozent der katholischen Frauen wählten die Partei.

Unterschiede bei jungen Christinnen und Christen

Besonders gross sind die Unterschiede in der Altersgruppe bis 34 Jahre. Von den jungen Katholikinnen und Katholiken wählten 23 Prozent die AfD. Unter jungen Evangelischen lag der Anteil bei 39 Prozent.

Bei den 35- bis 59-Jährigen näherten sich die Werte dagegen stark an. 38 Prozent der evangelischen und 37 Prozent der katholischen Befragten in dieser Altersgruppe entschieden sich für die AfD.

SPD und Grüne schnitten unter Christinnen und Christen etwas besser ab als im Gesamtergebnis. Beide Parteien kamen bei evangelischen wie katholischen Befragten auf jeweils knapp 12 Prozent. Insgesamt erhielten sie jeweils knapp 9 Prozent.

Junge Evangelische wählten Grüne

Auffällig ist zudem das Wahlverhalten der jüngeren Christinnen und Christen. Bei den unter 35-jährigen Katholikinnen und Katholiken erreichte die SPD 19 Prozent, die Grünen 18 Prozent. Unter jungen Evangelischen kamen die Grünen auf 22 Prozent, die SPD hingegen nur auf 9 Prozent.

Schwach schnitt in dieser Altersgruppe die CDU ab: Sie erhielt bei jungen Evangelischen 8 Prozent und bei jungen Katholikinnen und Katholiken 6 Prozent. Deutlich stärker war sie bei älteren Wählerinnen und Wählern. Unter den über 60-Jährigen erreichte sie 35 Prozent bei Evangelischen und 40 Prozent bei Katholikinnen und Katholiken.

Befragung in Wahllokalen

Nach Angaben der Evangelischen Landeskirche Anhalts aus dem Jahr 2022 gehören 13,8 Prozent der gesamten Bevölkerung des Bundeslandes einer der beiden grossen christlichen Konfessionen an. Von den rund 2,15 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern sind nach damaligem Stand 230'000 Menschen in der evangelischen Kirche und 64'841 Menschen in der römisch-katholischen Kirche.

Für die Analyse der Forschungsgruppe Wahlen wurden gemäss katholisch.de mehr als 9300 Bürgerinnen und Bürger unmittelbar nach der Stimmabgabe in Wahllokalen befragt. Der Fragebogen erfasste unter anderem die Konfessions- beziehungsweise Religionszugehörigkeit. (hz)

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