Wenn eine Fusion die beste Lösung ist
Noch hat die Reformierte Kirche Baselland 35 Kirchgemeinden. Doch das dürfte sich mit der Frühjahrssynode vom 5. Juni ändern: Dann wird das Kirchenparlament über die Fusion der Kirchgemeinde Langenbruck mit jener von Waldenburg St. Peter entscheiden, ein weiterer Zusammenschluss soll im Herbst formell bestätigt werden.
Diesen haben Anfang Mai drei Kirchgemeinden beschlossen – mit überwältigendem Mehr. Und wenn ein Name künftig sinnbildlich für die Fusion von Kirchgemeinden stehen könnte, dann jener dieses neuen Gebildes im Oberbaselbiet: Rothenfluh-Anwil-Oltingen-Wenslingen-Rünenberg-Kilchberg-Zeglingen. So wird das neue Konstrukt in den Fusionsvereinbarungen der beteiligten Kirchgemeinden genannt. Die Zusammenschlüsse im Kanton Baselland nehmen zu. Die Landeskirche erwartet, dass es mittelfristig noch weitere Fusionen geben könnte.
Häufig sind diese Schritte nötig, weil einerseits die Mitgliederzahlen sinken. Das Baselland zählte 2022 nach Zahlen des kantonalen statistischen Amtes rund 79'600 Reformierte (1993: 115'000). Andererseits wurden 2021 neue finanzielle Vorgaben beschlossen. In der damals totalrevidierten Finanzordnung steht, eine Kirchgemeinde habe auf 1500 Mitglieder den Pfarrdienst im Umfang einer Vollzeitstelle zu besorgen. Gelder werden ab Januar 2025 nur noch «in Relation zur Grösse der Kirchgemeinden» fliessen. Das heisst: die Mittel werden vor allem für kleine Kirchgemeinden knapper.
Zusammenarbeit statt Leistungsabbau
Konkret heisst das: «Die Kirchgemeinden müssen sich Gedanken machen, welche Aufgaben sie in Zukunft mit den veränderten Finanzflüssen noch erfüllen können», sagt Stephanie Krieger, Sprecherin der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Basel-Landschaft, auf Anfrage.
Am Beispiel Rothenfluhs wird klar, was das bedeutet. Dort leben 726 Menschen, drei Viertel der Bevölkerung sind reformiert. Nach den neuen Regeln reicht dies nicht für eine halbe Pfarrstelle. «Arbeiten Kirchgemeinden zusammen, ist es leichter möglich, noch etwas auf die Beine zu stellen», erklärt Krieger. Eine schmerzhafte Alternative sei die Reduktion des Angebots an Leistungen.
Es gibt noch ein weiteres Problem: Wie viele andere Landeskirchen beobachtet auch die Baselländische, dass es schwieriger wird, ehrenamtliche Stellen – wie etwa in Kirchenpflegen – zu besetzen. Diese Situation lässt sich durch eine Fusion entschärfen.
Doch ein Zusammenschluss ist nicht die einzige Lösung für Kirchgemeinden in Baselland. Sprecherin Krieger sagt: «Es gibt auch die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Kirchgemeinden.» Diese sei vielerorts ein «sehr bewährtes Mittel». Möglich sei zudem, mit politischen Gemeinden, anderen Konfessionen, lokalen Organisationen oder Vereinen zusammenzuarbeiten.
Zusammenwachsen als Gemeinschaft
Für Rothenfluh, Anwil, Oltingen, Wenslingen, Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen bedeutet die Fusion konkret: Sie müssen einen gemeinsamen Weg finden. Seit fast einem Jahr dauert der Prozess nun schon an und das Organisatorische ist geklärt. Doch es gibt Bedenken, wie die Kirchgemeinden zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen können.
«Ich wünsche mir, dass die Kräfte in gegenseitiges Kennenlernen, Austausch, Schaffen von Neuem gesteckt werden und nicht in Streit und Sorge um alte Gewohnheiten», hat Peter Imhof, Kirchgemeindepräsident von Oltingen-Wenslingen-Anwil, nach der Abstimmung auf der Website der Kirchgemeinde geschrieben.
Im Newsletter der Kirchgemeinde Kilchberg-Rünenberg-Zeglingen, der kurz nach dem Ja zum Zusammenschluss verschickt wurde, heisst es: «Die Fusion wird uns viel abverlangen. Unsere Kirchgemeinde ist darauf gut vorbereitet.» Doch man müsse auf das Innenleben der Gemeinde achten, denn: «Die Fusion verleitet ein wenig dazu, den alten Trott im grösseren Garten weiter zu führen. Aber das geht nicht. Da würden wir uns selbst betrügen.»