Migration
Flüchtlingshilfe fordert Stopp von Rückführungen nach Kroatien
Kroatien ist ein Land, in das die Schweiz Menschen bringt, denen sie kein Asyl gibt. Im Jahr 2024 wurden laut einem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) mindestens 325 Menschen mit negativem Asylentscheid aus der Schweiz nach Kroatien gebracht. Diese Praxis kritisiert die SFH.
Es gebe nachweislich systematisch Vorfälle unmenschlicher und erniedrigender Behandlung von Geflüchteten durch die kroatische Polizei, schreibt die SFH in einem Communiqué. Belegt seien auch systematische Pushbacks an der kroatischen EU-Aussengrenze. Die Organisation fordert, auf Rückführungen nach Kroatien zu verzichten.
Von Pushbacks spricht man, wenn Flüchtlinge und Migranten unmittelbar nach dem Grenzübertritt wieder aus dem Schengen-Raum zurückgedrängt und so daran gehindert werden, ein Asylgesuch zu stellen.
Die Flüchtlingshilfe stützt sich auf einen neuen Bericht zum Asylsystem in Kroatien. Dafür besuchten Mitarbeitende der Organisation im Oktober kroatische Asylzentren und sprachen mit Vertretern lokaler Nichtregierungsorganisationen.
Zahlreiche Interviewpartner und Interviewpartnerinnen hätten dabei angegeben, das kroatische Asylsystem sei nicht belastbar, hiess es weiter. Für Menschen mit gesundheitlichen Problemen, etwa solche, die eine Traumatisierung erlitten hätten, sei es schwierig, medizinische Hilfe zu erhalten. Zudem mangle es an Dolmetscherinnen und Dolmetschern.
Das Staatssekretariat für Migration (SEM) nahm auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zunächst keine Stellung zur Kritik der Flüchtlingshilfe. Man habe gerade erst vom Bericht Kenntnis erhalten, schrieb eine Sprecherin. Entsprechend brauche das SEM nun etwas Zeit, um diesen mit der notwendigen Sorgfalt zu analysieren.
Die Schweiz schickt im Rahmen der Dublin-Überstellungen Schutzsuchende nach Kroatien. Gemäss dem Dublin-Abkommen der EU ist jener Staat für die Behandlung des Asylgesuchs einer Person zuständig, in dem diese zuerst ankommt. (sda/ dst)