Migration

Ein Preis für die Unermüdlichen

Die Seenotretter von SOS Méditerranée haben den alternativen Nobelpreis erhalten. Caroline Abu Sa’da von der Schweizer Sektion der Organisation hofft, dass die Auszeichnung auch in der Politik etwas bewegt.

In Stockholm hat Caroline Abu Sa’da den «Right Livelihood Award» für die Organisation SOS Méditerranée entgegengenommen. Sie wünscht sich eine positive Wirkung des Preises über den Moment hinaus. (Bild: Magnus Lejhall/ Keystone)

Es vergeht kein Tag, ohne dass sich Menschen an der Nordküste Afrikas in ein überfülltes Boot setzen, das kaum seetauglich ist, um über das offene Meer nach Europa zu gelangen. Viele von ihnen kommen nicht an. Die Internationale Organisation für Migration hat seit Jahresbeginn rund 2500 Menschen erfasst, die auf der Überfahrt verstorben sind oder als vermisst gelten.

Seit Jahren setzen sich private Initiativen ein, um Menschen zu retten, die in Seenot geraten. Zu diesen Organisationen gehört SOS Méditerranée. Seit über sechs Jahren ist sie aktiv und hat nach eigenen Angaben 37'000 Menschen geholfen, die auf der Flucht in Not gerieten. Nun hat SOS Méditérranée den «Right Livelihood Award» erhalten. Die Auszeichnung gilt als der alternative Nobelpreis.

Caroline Abu Sa’da, hat den Preis entgegengenommen. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Schweiz. Die Auszeichnung versteht sie als Anerkennung für die Arbeit der Teams in Frankreich, Deutschland, Italien und der Schweiz an Land und an Bord des Rettungsschiffes «Ocean Viking». Für Abu Sa’da ist sie aber auch die Gelegenheit, öffentlich auf die Lage der Flüchtenden aufmerksam zu machen. Denn: «Sie wird immer dramatischer».

Doch das gilt nicht nur für die Menschen auf der Flucht. Auch für die Retter werden die Einsätze immer schwieriger und riskanter. «Ich blicke auf ein Jahr zurück, das reich an Emotionen war», sagt Abu Sa’da. Im August habe das Rettungsschiff «Ocean Viking» so viele Menschen gerettet wie nie zuvor. Kurz darauf habe die libysche Küstenwache Schüsse auf die Crew abgefeuert. Neue gesetzliche Rahmenbedingungen in Italien würden die Arbeit erschweren und nun habe man den alternativen Nobelpreis erhalten: «Es war ein Jahr voller Gegensätze.»

Caroline Abu Sa’da arbeitet schon seit über 20 Jahren im Bereich humanitärer Programme. Sie war im Nahen Osten im Einsatz und am Horn von Afrika. Mit Sorge beobachtet sie, wie Flüchtende entmenschlicht werden: «Dagegen müssen wir kämpfen. Die Toten sind keine Zahlen, sie hatten Familie und Freunde.» Der alternative Nobelpreis ist für sie mit dem Wunsch verbunden, dass die Arbeit von SOS Méditérranée positiver wahrgenommen wird. «Und ich hoffe, dass die europäischen Regierungen nun unsere Forderung nach einer staatlichen Rettungsorganisation hört», sagt sie.