Erweiterte Anti-Rassismus-Strafnorm

«Diskriminierende Texte nicht unkommentiert lassen»

Diskriminierende Stellen in religiösen Schriften sollen historisch eingeordnet und nicht unkommentiert zitiert werden. So lautet eine Empfehlung des Runden Tischs der Religionen beider Basel.

Vor rund einem Jahr hat das Schweizer Stimmvolk Ja zur erweiterten Anti-Rassismus-Strafnorm gesagt. Neu können demnach auch Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung einer Person strafrechtlich verfolgt werden. Das tangiert unter anderem die Religionsgemeinschaften. Für sie stellt sich die Frage, ob etwa homophobe Passagen in religiösen Schriften weiter zitiert werden dürfen.

Eine Empfehlung dazu hat nun der Runde Tisch der Religionen beider Basel abgegeben. Darin hält er fest, dass diskriminierende Passagen Teil der Religionsgeschichte und ihrer Schriften seien. Solche Stellen dürften aber künftig nicht mehr unkommentiert zitiert werden, sondern müssten in den historischen Zusammenhang gestellt werden.

Missverständnisse verhindern

Der Runde Tisch begründet seine Empfehlung damit, dass unkommentierte Zitate als Aufruf zu entsprechenden Handlungen oder zu Hass gegen die betroffenen Personengruppen verstanden werden könnten. «Denn ohne Kommentar von der religiösen Leitungsperson kann ein Zitat von der Glaubensgemeinschaft als Wille Gottes oder der jeweiligen höchsten religiösen Autorität aufgefasst werden und zu entsprechenden Haltungen oder Handlungen führen», heisst es in dem Schreiben.

Wichtig sei dem Runden Tisch zudem, schwierige Themen nicht wegzudiskutieren, sondern sich für eine zeitgenössische und diskriminierungsfreie Interpretation der jeweiligen religiösen Lehren einzusetzen.

Die Empfehlung ist in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Diversität und Integration Basel-Stadt und dem Fachbereich Integration Basellandschaft ausgearbeitet worden. Im Runden Tisch sind 13 Religionsgemeinschaften und zwei religiöse Dachverbände vertreten, darunter die Landeskirchen. (no)