Dernière für Gottesdienste auf Französisch
Am ersten Advent feierte Alexandre Paris den letzten Gottesdienst auf Französisch in Grenchen. Der Pfarrer aus Neuchâtel ist eigentlich seit über zehn Jahren pensioniert. Aber die kleine Gemeinschaft welscher Reformierter in der Solothurner Gemeinde hat er immer noch betreut.
In einem Beitrag des «Grenchner Tagblatts» sagte er mit Blick auf das letzte Mal: «On est tous un peu triste» – es seien alle ein bisschen traurig. Doch die Überalterung sei ein Fakt und neue Mitglieder gebe es in der Kirchgemeinde nicht. Die Pfarrstelle umfasst noch ein Pensum von zehn Prozent, die Gottesdienste fanden zuletzt monatlich statt: Einmal in Grenchen, einmal im benachbarten Solothurn.
Die französischsprachige Kirchgemeinde Aaretal, die «Paroisse Reformée de la Plaine de l’Aar», zählt heute weniger als 100 Personen, zum Gottesdienst ist jeweils knapp ein Dutzend erschienen, schreibt das Grenchner Tagblatt.
Boomendes Grenchen
Doch das war nicht immer so. Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Uhrenmanufakturen in Grenchen die Produktion aufnahmen, kamen viele Arbeitskräfte aus der Westschweiz an den Jurasüdfuss. Sie brachten das Fachwissen, die Sprache und den reformierten Glauben in den vorwiegend katholischen Kanton.
Grenchen boomte damals geradezu: Vor dem Einzug der Uhrenindustrie lebten 1580 Menschen im Ort. In den folgenden Jahren vervielfachte sich die Bevölkerung auf 5200 (1900) und 10'400 (1930). In den Siebzigerjahren war die Einwohnerzahl mit 20'000 Personen am höchsten – seither geht es wieder bergab.
Noch immer werden in Grenchen Uhren produziert, vielfach von frankofonen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Unterschied zu früher ist, dass sie nicht in der Stadt wohnen.
Pendler statt Zuzüger
Diese Feststellung hat auch Pfarrer Stephan Hagenow gemacht, wie er auf Anfrage von ref.ch erzählt. Er sagt: «Die Angestellten sind mobil und pendeln von ihren Wohnorten nach Grenchen.» Die Welschen, die in Grenchen wohnten, hätten im Gegensatz zu früher auch kein Bedürfnis mehr, unter sich zu bleiben. «Die meisten von ihnen sind heute bilingue», sagt der Pfarrer.
Auch deshalb sei bisher nicht gewünscht worden, Französisch in den deutschen Gottesdienst zu integrieren. Laut Hagenow besteht kein Mangel in diesem Bereich: «Die paroisse française in Biel ist nicht weit entfernt», sagt er. In der französischsprachigen Kirchgemeinde in Biel kann man Gottesdienste besuchen. Doch hin und wieder wird in Zukunft in Grenchen in der Kirche trotzdem Französisch gesprochen werden: Manchmal wünschen Trauerfamilien, dass bei einer Beerdigung Teile der Abdankung auf Französisch erfolgen. Diese Aufgabe übernimmt jeweils ein französischsprachiger Pfarrer.