Todesfall

Theologin und alt-Nationalrätin Ursula Bäumlin verstorben

Die Bernerin Ursula Bäumlin setzte sich in Kirche und Politik für linke Anliegen ein. Sie prägte die Schweizer Asyldebatte in den 1990er-Jahren und setzte sich trotz aller Anfeindungen für Gerechtigkeit ein. Nun ist sie im Alter von 87 Jahren gestorben.
Bis ins hohe Alter war Ursula Bäumlin aktiv. Das Bild zeigt sie im Gespräch mit ref.ch im Jahr 2021 in ihrer Berner Wohnung. (Bild: Archiv/ Noëlle Guidon)

Vielleicht wäre Ursula Bäumlin Pfarrerin geworden. Sie studierte Theologie – auch weil sie als Jugendliche zum Schluss gekommen war, dass die biblischen Texte politisch seien und in die Gegenwart hineinwirkten. Das erzählte sie, als ref.ch sie vor fünf Jahren portraitierte. Doch aus der Theologin wurde keine Pfarrerin, weil erst Jahre nach ihrem Studienabschluss die erste Frau in ein Pfarramt im Kanton Bern gewählt wurde.

Bäumlins Eltern hatten sich kirchlich engagiert, der Mann, den sie heiratete, war Pfarrer. Doch nur die Frau des Pfarrers wollte sie nicht sein. Sie engagierte sich politisch, wurde 1972 in den Kirchgemeinderat Nydegg gewählt und wollte in einer der fortschrittlicheren Schweizer Kirchgemeinden der damaligen Zeit etwas verändern: «Uns schwebte eine junge und lebendige Kirche vor, die offen für Veränderungen war und in der auch die Frauen mitreden durften. Dagegen haben sich die konservativen Mitglieder mit Händen und Füssen gewehrt», sagte sie 2021 im Gespräch mit ref.ch.

In den 1970er- und 80er-Jahren habe sie sich zusammen mit ihrem Mann Klaus «in so ziemlich allen politischen Fragen engagiert», erzählte sie. Ihre politische Karriere nahm so richtig Fahrt auf, als Bäumlin 1984 zur Berner Stadträtin gewählt wurde und 1987 für die SP in den Nationalrat einzog.

Dort setzte sich Bäumlin, die laut eigener Aussage «Ungerechtigkeiten überhaupt nicht vertragen» habe, für eine offene Asylpolitik in der Schweiz ein, wie der «Bund» in seiner Würdigung schreibt. Aus Protest gegen die Asylpolitik des Bundesrats hatte sie bereits im Januar 1987 in der Nydeggkirche einen siebentägigen Hungerstreik durchgeführt.

Im Nationalrat blieb Bäumlin bis 1998. Sie war Mitglied der Aussenpolitischen Kommission und der Finanzkommission. Auch im hohen Alter war die Theologin aktiv. Mit über 80 Jahren konnte man sie in Bern mit ihrem Trottinett herumfahren sehen. Bäumlin verstarb bereits am 7. Mai.

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