Bern

Wie 500 Jahre Reformation gefeiert werden sollen

2028 wollen die Reformierten in Bern nicht nur zurückblicken. Mit Disputationen, einem Fest rund ums Münster und der Suche nach 500 «Reformerinnen und Reformern» soll das Jubiläum Fragen der Gegenwart aufnehmen. Auch Schriftsteller Lukas Bärfuss ist mit einem gesellschaftspolitischen Projekt an Bord.

Am 7. Februar 2028 – in 500 Tagen – jährt sich die Einführung der Reformation in Bern zum 500. Mal. Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso) planen deshalb ein umfangreiches Jubiläumsprogramm, wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht. Es soll an die historischen Umbrüche von 1528 erinnern, zugleich aber danach fragen, was «Reformation» heute bedeuten kann.

Geplant sind unter anderem fünf öffentliche Disputationen im Kirchengebiet. Nach dem Vorbild der Berner Disputation von 1528 sollen dabei aktuelle Fragen wie Künstliche Intelligenz, Bibelverständnis und Friedensethik diskutiert werden.

Reformerinnen und Reformer von morgen gesucht

Zum Auftakt am 6. Januar 2028 im Berner Münster wird Karen Georgia Thompson erwartet, Präsidentin der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Gleichzeitig soll ein Dokumentarfilm über den Berner Künstler, Politiker und Reformator Niklaus Manuel uraufgeführt werden.

Mit dem Projekt «500 für morgen» suchen die Berner Reformierten zudem 500 Menschen, Initiativen, Organisationen und Unternehmen, die heute Veränderungen anstossen.

Auch ökumenische Aktionen sind vorgesehen. Über Auffahrt 2028 ist gemeinsam mit Mennoniten und weiteren ökumenischen Partnern eine Pilgerwanderung von Langnau in den Jura geplant.

Vom 8. bis 10. September folgt ein grosses Fest in und um das Berner Münster, das ausdrücklich auch kirchenferne Menschen ansprechen soll. Kirchgemeinden im gesamten Kirchengebiet können zudem eigene Projekte zum Jubiläum entwickeln.

Bärfuss kuratiert Jugendprojekt Disput 2028

Über den kirchlichen Rahmen hinaus soll das Reformationsjahr eine gesellschaftspolitische Dimension erhalten. Der Schriftsteller Lukas Bärfuss kuratiert das Jugendprojekt «Disput 2028». Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren setzen sich darin mit Themen wie Macht, Gerechtigkeit, Identität sowie Wissen und Wahrheit auseinander.

Die Ergebnisse sollen im Frühsommer 2028 bei einem «Festival der friedlichen Auseinandersetzung» in Bern präsentiert werden. Das Ziel sei nicht Konsens, sondern demokratische Bildung, heisst es in den Unterlagen.

Die Reformation war in Bern 1528 nach einer mehrwöchigen Disputation beschlossen worden. In der Folge löste sich der Stadtstaat aus der bisherigen kirchlichen Ordnung, Klöster wurden aufgehoben und der Gottesdienst grundlegend verändert. Der Entscheid Berns trug wesentlich dazu bei, dass sich die Reformation auch in weiteren Teilen der damaligen Eidgenossenschaft ausbreiten konnte.

Verein koordiniert Projekte

Das offizielle Berner Reformationsjahr wird der Kanton Bern am 28. Januar 2028 im Münster eröffnen. Koordiniert werden die verschiedenen kirchlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Projekte vom Verein Berner Reformationsjahr 2028. Refbejuso ist im Vereinsvorstand durch Synodalratspräsidentin Judith Pörksen Roder vertreten. Der Verein koordiniert weitere Projekte wie etwa Sonderausstellungen oder Buchprojekte.

Eine Übersicht zum Jubiläumsjahr wird ab 2027 auf www.reformation-be.ch zu finden sein. Finanziert werden diese von Refbejuso, der Burgergemeinde Bern, Stadt und Kanton Bern sowie der Walter J. Hollenweger-Stiftung. Weitere Gesuche bei Stiftungen seien hängig oder in Planung. (gab)

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