Armutsstatistik Schweiz

Arm in einem reichen Land

Über eine Million Menschen in der Schweiz sind arm oder armutsgefährdet. Hilfswerke appellieren an die Politik. Die evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt sammelt Geld für Bedürftige.

In Caritas-Märkten können Menschen, die wenig Geld zu Verfügung haben, zu vergünstigten Preisen einkaufen. (Bild: Corinne Sägesser/ Caritas)

Mehr als 15 von 100 Menschen in der Schweiz müssen jeden Rappen zweimal umdrehen, weil sie von Armut betroffen oder armutsgefährdet sind. Das zeigen die Daten zur Armutsquote, die das Bundesamt für Statistik jetzt für das Jahr 2022 veröffentlicht hat. Knapp ein Fünftel der Bevölkerung kann eine unerwartete Ausgabe in der Höhe von 2500 Franken nicht begleichen.

Caritas Schweiz zeigt sich besorgt über die vielen Menschen in finanzieller Not. «Wer von Armut bedroht ist, hat kaum mehr zum Leben als Personen unter der Armutsgrenze. Sie sind nicht in der Lage, steigende Mieten und höhere Krankenkassenprämien wegzustecken», schreibt die Organisation in einer Mitteilung. Das Hilfswerk fordert Bund, Kantone und Gemeinden dazu auf, gezielt gegen Armut vorzugehen.

Einen Beitrag auf lokaler Ebene leistet die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt. Sie hatte unter dem Motto «Lasst mich nicht allein!» zu Spenden aufgerufen für Baslerinnen und Basler, die von Armut betroffen sind. Laut einer Mitteilung sind dadurch rund 42'000 Franken gespendet worden.

Der Kirchenrat gibt das Geld an 23 soziale Institutionen weiter. Darunter befinden sich das Internetcafé für Armutsbetroffene «Planet 13», die Opferhilfe beider Basel und die Stiftung Sucht.

Am stärksten von Armut betroffen sind laut Bundesamt für Statistik Alleinerziehende, Menschen mit geringer Bildung, Menschen aus Osteuropa oder einem Land ausserhalb Europas sowie Pensionierte. Der Anteil von Working Poor liegt bei 3,8 Prozent. Im Jahr 2022 lag die Armutsgrenze bei 2284 Franken im Monat für eine Einzelperson und 4010 Franken für zwei Erwachsene mit zwei Kindern.

In der Frühlingssession sprach sich der Nationalrat dafür aus, das bestehende Armuts-Präventionsprogramm weiterzuführen und es ab 2030 durch ein nationales Programm zu ersetzen.

Konkret heisst das: Der Bund soll finanzielle Mittel zu Verfügung stellen und sicherstellen, dass Kantone und Gemeinden allen Menschen den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung ermöglichen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern, für bezahlbaren Wohnraum sorgen sowie würdige Arbeitsbedingungen und Löhne erwirken.