Kunst

Treffpunkt Arche

Das neuste Kunstprojekt der Wasserkirche steht wie kein Anderes für das mythologische Bild des Aufbruchs – aber nicht nur. Bis im Oktober 2025 soll die «Arche 2.0» Bühne und Begegnungsort sein.
Die acht Tonnen Fichtenholz für die Arche 2.0 stammen mehrheitlich aus der Schweiz. (Bild: Ondrej Kolacek/ Aroma AG)

Ein Tiger, der sich in der Migros ein Znüni holt, ein Schwein, das gerade aus der S-Bahn aussteigt und eine Gruppe von Tieren, die einen Zürcher Stadtplan studieren. Mit den Hashtags «WirKommen» und «Arche2.0» bewirbt die Wasserkirche auf Instagram humorvoll ihre neuste Kunstinstallation, die am 30. Januar Taufe feiert: ein Schiff aus acht Tonnen Fichtenholz.

In den letzten Wochen herrschte reger Baubetrieb in der geschichtsträchtigen Kirche. Schreiner bauten nach den Plänen des Szenografen Simeon Meier den Bug der Arche 2.0 auf, der mit dem Kirchenschiff verschmilzt. Fast 15 Meter lang, elf Meter breit und knapp sechs Meter hoch ist die imposante Konstruktion.

Die Idee für das Projekt stammt vom Theaterproduzenten Federico Emanuel Pfaffen. «Die Arche steht sowohl für Aufbruch und Hoffnung als auch für den Mord an vielen Menschen und den Wunsch nach einer neuen Leitfigur», sagt er bei einem Rundgang für die Medien. Die Idee dazu habe er lange mit sich herumgetragen, bevor er auf den Grossmünsterpfarrer Martin Rüsch und die Programmleiterin der Wasserkirche, Klara Piza, zugegangen sei.

An Assoziationen – positiven wie negativen – mangelt es kaum, wie die Verantwortlichen des Projekts festhalten. Die Wasserkirche als Schiff in der Limmat, die Klimaerwärmung als Sinnbild für die Sintflut oder die Arche als Hoffnungsanker in unsicheren Zeiten sind einige davon. Pfaffen schlägt gar einen Bogen zur historischen Verantwortung der Kirche bei der Eroberung Amerikas, die mit der Überquerung des Atlantiks durch Christoph Kolumbus ihren Anfang nahm.

Erinnerungen an die Vergangenheit

Im Innern des Schiffsbugs verweist Szenograf Simeon Meier auf die Besonderheiten des Projekts. Wer auf dem höchsten begehbaren Punkt des Schiffes steht, befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den farbigen Chorfenstern von Augusto Giacometti aus dem Jahr 1942 – eine einmalige Perspektive. Gleichzeitig habe sich genau auf dieser Höhe die Balustrade befunden, als die Wasserkirche im frühen 17. Jahrhundert als Bibliothek genutzt wurde, so Meier.

Aus einer Stufe entfernt Meier ein quadratisches Holzstück und gibt den Blick auf den Taufstein frei. Wie Grossmünsterpfarrer Martin Rüsch erklärt, findet während der Ausstellungszeit eine Konfirmation in der Wasserkirche statt. «Ein Jugendlicher der Klasse will sich dabei taufen lassen», sagt Rüsch. Das Ritual erinnert dabei ein wenig an die Täuferbewegung, die 2025 ihr 500-jähriges Jubiläum feiert (ref.ch berichtete).

Zum Programm

Bis im Oktober 2025 dient die «Arche 2.0» als Kulisse für zahlreiche Anlässe. Am 30. Januar wird das Projekt um 18.00 Uhr in Anwesenheit von Stadtpräsidentin Corinne Mauch eröffnet. Am 2. und 3. Februar findet eine szenische Lesung des Theaterstücks «An der Arche um Acht» statt, das sich an Kinder ab fünf Jahren richtet. Dabei geht es um drei Pinguine und die Themen Freundschaft und Glaube. Es folgen eine Benefizveranstaltung, eine Ausstellung des Naturhistorischen Museums, Performances und diverse Diskussionsformate. Das Programm wird jeweils auf der Website der Wasserkirche aktualisiert. (pef)

Eine Überraschung von oben

Bei der Eröffnung der Arche 2.0 soll dann noch ein Krokodil aus Kunststoff von der Decke hängen, wie die Programmleiterin der Wasserkirche, Klara Piza, erzählt. Denn nicht nur Bücher gab es früher in der Wasserkirche zu bestaunen, sondern auch Naturalien der Naturhistorischen Sammlung, darunter ein Walfisch und ein Krokodil, die an der Decke befestigt waren.

Wie Piza erzählt, haben Vorbereitungsarbeiten für das Projekt eineinhalb Jahre gedauert. Nicht zuletzt deshalb wünschen sich die Verantwortlichen, dass die Arche 2.0 im Anschluss «weiterschwimmt». Man sei mit verschiedenen Institutionen im Gespräch, allerdings sei noch nichts spruchreif, erklärt sie.

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