Sabrina Müller nimmt sich aus dem Rennen
Da war es nur noch eine: Knapp einen Monat vor den Wahlen für den reformierten Zürcher Kirchenrat und das Kirchenratspräsidium verkleinert sich das Kandidatinnenfeld. Sabrina Müller hat sich entschieden, ihre Kandidatur für das Kirchenratspräsidium zurückzuziehen. Das hat ref.ch von zwei unabhängigen Quellen erfahren, die mit der Angelegenheit vertraut sind.
Bereits im Juni hatte Müller im Interview mit ref.ch offen gelegt, dass sie in Bewerbungsverfahren an verschiedenen Universitäten sei. Diese dauerten oft sehr lange, von einer Ausschreibung bis zu einem Ruf könne es bis zu zwei Jahre dauern. «Ich habe mich im vergangenen Sommer für verschiedene Positionen im Ausland interessiert, weil sie der nächste logische Karriereschritt sind. Damals war die Diskussion um meine Kandidatur als mögliche Kirchenratspräsidentin noch gar nicht im Gang», sagte Müller.
Die 43-jährige Theologin hat nun tatsächlich einen Ruf an eine Universität erhalten und sich entschieden, diesen anzunehmen. Aktuell arbeitet sie als Geschäftsleiterin des Universitären Forschungsschwerpunkts «Digital Religion(s)» an der Universität Zürich. Ausserdem ist sie Privatdozentin für Praktische Theologie.
Die Liberale Fraktion hatte Müller im Juni als Kandidatin aufgestellt. Sie sei «kompetent und versiert» und bringe Erfahrungen und Kenntnisse mit, die es für eine zukunftsfähige Kirche brauche, schrieb die Fraktion damals (ref.ch berichtete).
Von dreien bleibt eine
Damit verbleibt für das Präsidium nur noch eine Kandidatur, denn Amtsinhaber Michel Müller hatte sich ebenfalls zurückgezogen. Ende August hatte er eine Kehrtwende gemacht und bekannt gegeben, er trete nicht mehr an. Michel Müller kehrt zurück ins Pfarramt und übernimmt eine Stelle im Kanton Luzern am Fusse der Rigi (ref.ch berichtete). Er begründete seinen Schritt damit, dass die Landeskirche und deren Finanzen in guter Verfassung seien.
Aktuell bleibt dagegen die Kandidatur von Kirchenrätin Esther Straub. Sie tritt für die Religiös-Soziale Fraktion an und will die erste Frau an der Spitze der Zürcher Landeskirche werden. Sie bedauere den Rückzug Sabrina Müllers, sagte Straub auf Anfrage. «Ich hätte es begrüsst, wenn die Synode die Wahl gehabt hätte zwischen zwei kompetenten Frauen.» Nun stehen für Straub erst einmal die Hearings in den Fraktionen an. «Darauf freue ich mich», sagte sie.
Weitere Kandidaturen möglich
Spannung verspricht dafür die Neubesetzung des Kirchenrates: Für die übrigen sechs Sitze gibt es momentan sieben Kandidaturen. Von den Bisherigen tritt Andrea Marco Bianca wieder an, er stellt sich fraktionslos der Wiederwahl (vormals: Liberale Fraktion). Ihr Amt verteidigen wollen auch Katharina Kull-Benz (Liberale) und Margrit Hugentobler (Synodalverein). Neben Hugentobler hat der Synodalverein Thomas Villwock (neu) nominiert. Für die Evangelisch-kirchliche Fraktion tritt Bruno Kleeb (bisher) an sowie Franco Sorbara (neu). Zudem stellt sich Eva Schwendimann (neu) der Wahl, sie wird von den Religiös-Sozialen portiert.
Abschliessend ist das Feld damit allerdings weder beim Präsidium noch beim Kirchenrat. Denn bis zum und sogar am Wahltag sind noch Kandidaturen möglich. Die Synode wählt Präsidium und Kirchenrat am 21. November 2023.