Michel Müller zieht sich zurück
Überraschung an der Spitze der reformierten Zürcher Landeskirche: Der Kirchenratspräsident Michel Müller stellt sich entgegen seiner Ankündigung nicht mehr zur Wiederwahl. Der Amtsinhaber trete auf Ende der laufenden Legislatur zurück, heisst es in einer Mitteilung der Landeskirche. Müller wird Pfarrer im Kanton Luzern am Fusse der Rigi. Er freue sich darauf, mehr Zeit für das Predigen zu haben.
Die Rahmenbedingungen hätten sich verändert, lässt sich Müller im Communiqué zitieren: «Die Landeskirche ist in guter Verfassung. Die Finanzen sind im Lot.» Zudem kandidieren mit Sabrina Müller und Esther Straub zwei «qualifizierte Kandidatinnen» für das Präsidium. Wie Müller auf Anfrage von ref.ch ergänzt, sei die Ausgangslage mit zwei neuen Kandidatinnen unübersichtlich geworden.
Veränderte Wahlchancen
Zürich stehe damit aber nicht mehr leer da, sondern habe eine Auswahl. «Das ermöglicht der Kirche und mir eine klare Perspektive.» Er habe sich nicht zurückgezogen aus Angst davor, nicht mehr gewählt zu werden. «Meine Chancen wären zwar nicht mehr eindeutig, aber immer noch intakt gewesen.» Eine Rückkehr in ein Pfarramt sei immer ein Plan B und eine tolle Option gewesen. Nun habe sich eine gute Möglichkeit geboten, und er habe diese ergriffen. Er freue sich auf sein Pfarramt in Rigi-Süd und auf die Luzerner Kirche.
Weiter gehe er davon aus, dass seine Fraktion, der Synodalverein, zwar für das Präsidium niemanden ins Rennen schicke. Denkbar sei aber eine Kandidatur für den Kirchenrat. Um eine geeignete Person zu finden, bleibe noch ausreichend Zeit.
Erste Frau an der Spitze?
Müller ist seit 2011 Zürcher Kirchenratspräsident. Anfang des Jahres hatte er angekündigt, für eine vierte Amtsperiode anzutreten. Seine Fraktion sicherte ihm dafür die Unterstützung zu. Müller sah sich als «Übergangspräsident», das heisst, er wäre für rund zwei Jahre im Amt gewesen und hätte nach einer halben Amtszeit Platz für eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger gemacht.
Mit Müllers Rückzug könnte das Zürcher Kirchenratspräsidium nun weiblich werden: Esther Straub oder Sabrina Müller wären die ersten Frauen im Amt. Straub hat Exekutiverfahrung, sie ist für die Religiös-soziale Fraktion Kirchenrätin. Sabrina Müller dagegen wäre neu in der Kirchenpolitik, sie ist Privatdozentin für Praktische Theologie und tritt für die Liberalen an. Möglich ist aber auch noch eine dritte Kandidatur: Bis am Wahltag dürfen sich Interessierte melden. Die Synode wählt Präsidium und Kirchenrat am 21. November 2023.