Zürcher Landeskirche zahlt geschlechtergerechte Löhne

Frauen und Männer verdienen in der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich bei gleicher Arbeit gleich viel. Dies ergab eine Analyse. Ein Ungleichgewicht bleibt allerdings.


Bei der reformierten Zürcher Landeskirche gibt es keine statistisch signifikante unerklärte Lohndifferenz zwischen Mann und Frau. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse mit dem Lohngleichheitsinstrument des Bundes (Logib). Dafür wurden die auf Vollzeit standardisierenden Bruttolöhne von 106 Mitarbeitenden der Gesamtkirchlichen Dienste der Landeskirche verwendet. Davon sind 70 Frauen (66 Prozent) und 36 Männer (34 Prozent).

Wie die Analyse zeigt, beträgt die geschlechtsspezifische Lohndifferenz von Arbeitnehmenden 0,5 Prozent. «Dieser Wert liegt weit unter der bei Logib-Analysen angewandten Toleranzschwelle von 5 Prozent», heisst es in einer Medienmitteilung der Zürcher Landeskirche vom 7. Juni.

Analyse sollte Klarheit schaffen

«Ich war zwar überzeugt, dass wir geschlechtergerechte Löhne zahlen. Das nun auch so bestätigt zu haben, darüber freuen wir uns sehr», sagt Harry Nussbaumer, Leiter Personaldienst der Reformierten Kirche Kanton Zürich gegenüber ref.ch. Man habe bei der Lohngleichheits-Frage Nägel mit Köpfen machen wollen. «Die Leute sind auf das Thema sensibilisiert. Deshalb wollten wir Klarheit schaffen», sagt Nussbaumer.

Die Reaktionen der Mitarbeitenden auf die Ergebnisse der Studie seien fast ausschliesslich positiv gewesen. «Einige fanden, dass 0,5 Prozent Unterschied noch zu viel seien. Aber dabei handelt es sich um eine statistische Zufälligkeit», sagt Nussbaumer.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man die effektiven Lohnsummen vergleicht. Hier verzeichnen die Männer ein Plus von 14 Prozent. Von diesem Lohnunterschied könne laut der Studie 13,5 Prozent auf nicht diskriminierende, objektive Faktoren zurückgeführt werden. Unter anderem auf Unterschiede in der persönlichen Qualifikation, der beruflichen Stellung sowie den Arbeitsplatzanforderungen. Männliche Angestellte der Landeskirche haben laut Mitteilung im Schnitt eine etwas höhere Ausbildung und sind länger bei der Landeskirche tätig.

Ungleichgewicht bei Kaderstellen

Die Analyse zeige jedoch auch, dass Frauen in Stellen, die höchste Kompetenzen erfordern, sowie im oberen und mittleren Kader deutlich untervertreten sind. «In diesem Punkt muss sich die Landeskirche künftig fragen, wie es zu diesem Ungleichgewicht kommt und welche Korrekturmassnahmen geeignet sind», heisst es in der Mitteilung weiter. 

«Da können wir uns sicher noch verbessern. Wir sollten noch mehr ein spezielles Augenmerk auf Frauen bei Bewerbungen legen», sagt Nussbaumer. Die Realität sei aber auch, dass bei Stellenausschreibungen für gewisse Positionen sich viel weniger Frauen meldeten. «Wir müssen uns fragen, warum das so ist – und welchen Anteil wir daran haben.» Auch intern wolle man im Sinne der Nachwuchsplanung prüfen, ob Frauen für bestimmte Positionen gezielt gefördert werden können. 

Als nächstes wolle man nun die Löhne der Pfarrerinnen und Pfarrer mit Logib analysieren. (bat)