Evangelische Frauen kritisieren Lohngleichheits-Entscheid scharf

Der Ständerat hat die Vorlage zur Lohngleichheit von Männern und Frauen an die Kommission zurückgewiesen. Zu diesem Entscheid findet Dorothea Forster, Präsidentin der Evangelischen Frauen Schweiz, deutliche Worte. Der Ärger sei gross.

Dorothea Forster, Präsidentin der Evangelischen Frauen Schweiz. (Bild: Keystone/Thomas Delley)

Als der Ständerat die Vorlage zur Lohngleichheit von Männern und Frauen mit 25 zu 19 Stimmen zurückwies, sass Dorothea Forster, Präsidentin der Evangelischen Frauen Schweiz, auf der ständerätlichen Zuschauertribüne. «Dort darf man ja nicht reden. Wir konnten also beim Entscheid nur den Kopf schütteln und böse schauen», sagt Forster gegenüber ref.ch. Der Ärger bei den Frauen auf der Tribüne sei gross gewesen. «Am liebsten hätte ich Buh in den Saal gerufen. Aber man bleibt natürlich trotzdem anständig.»

Forster ist die Wut über den Entscheid vom 28. Februar auch zwei Tage nach ihrem Besuch in Bern anzuhören: «Dass immer noch Männer mit dem Argument kommen, dass die Statistiken zur Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen falsch seien, ist haarsträubend.» Seit 37 Jahren stehe die Lohngleichheit in der Bundesverfassung. «Die Zeit der Freiwilligkeit ist abgelaufen.»

Unchristliches Verhalten

Dass mit Konrad Graber und Pirmin Bischof auch zwei CVP-Männer für den Rückweisungsantrag stimmten, findet Forster besonders stossend: «Ich frage mich, was daran noch christlich sein soll.» Sie vermute, dass hinter dem Entscheid gezielte Lobby-Arbeit der Wirtschaft stecke. «Ich will ja nicht die ganze Wirtschaft in einen Topf werfen. Es gibt etliche Gross- und Kleinfirmen, die bewiesen haben, dass Lohngleichheit möglich ist.» Aber es seien einfach zu wenige Firmen, die freiwillig Lohnanalysen gemacht hätten. Es brauche nun das Gesetz, und zwar schnell. «Jeden Monat verdient ein Mann durchschnittlich 600 Franken mehr als eine Frau. Das wirkt sich auch auf Renten aus», sagt Forster.

Trotz des Frusts blickt Forster kämpferisch in die Zukunft. «Vielleicht braucht es wieder mal einen Frauenstreik.» Zuerst rufen die Evangelischen Frauen jedoch dazu auf, am 8. März auf dem Waisenhausplatz in Bern gegen die Lohnungleichheit zu protestieren.

«Aus den Socken gehauen»

Auch beim Schweizerischen Katholischen Frauenbund (SKF) ist man über den Ständeratsentscheid enttäuscht. «Der Rückweisungsantrag hat mich fast aus den Socken gehauen», sagte Curau-Aepli gegenüber kath.ch. Für die Unternehmerin und Familienfrau sei es kaum fassbar, wie der Ständerat eine Vorlage, an der so lange Zeit gearbeitet worden war, zurückweisen konnte. «Der SKF engagiert sich seit Jahren für Lohngleichheit und hat sich auch für die bundesrätliche Vorlage eingesetzt, als Minimalvariante», sagt die SKF-Präsidentin zu kath.ch.

Die Vorlage wollte Unternehmen mit fünfzig oder mehr Angestellten verpflichten, alle vier Jahre eine Lohngleichheitsanalyse durchzuführen und durch eine unabhängige Stelle überprüfen zu lassen. Zudem sollen die Unternehmen ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über die Resultate der Analyse informieren. (bat)