Wütende Menschenmenge greift Kirchen an
In Pakistan ist es einmal mehr zu einem Vorfall religiöser Gewalt gekommen. Wütende Menschen griffen dabei Kirchen in einem christlichen Quartier der Stadt Jaranwala an. «Die Situation ist angespannt, und wir versuchen zu entschärfen», sagte ein vertrauter Beamter. Der Mob beschuldigte demnach mindestens zwei Christen, den Koran – die heilige Schrift des Islams – entwürdigt zu haben. Was den Gläubigen konkret vorgeworfen wurde, war unklar.
Pakistans Bischof Azad Marshall forderte die Polizei zum Handeln auf. «Während ich diese Nachricht schreibe, wird gerade ein Kirchengebäude niedergebrannt», schrieb Marshall auf der Online-Plattform X. «Bibeln wurden geschändet und Christen wurden gefoltert und schikaniert, weil sie fälschlicherweise beschuldigt wurden, gegen den Heiligen Koran verstossen zu haben.»
Immer wieder gibt es Fälle tödlicher Gewalt in Pakistan im Zuge von Blasphemievorwürfen. Im Februar stürmte eine Menschenmenge eine Polizeiwache und tötete einen Mann. Im März enthaupteten drei Lehrerinnen einer islamischen Mädchenschule eine Kollegin. 2020 wurde ein US-amerikanisch-pakistanischer Staatsbürger während einer laufenden Verhandlung im Gerichtssaal erschossen.
Die pakistanischen Blasphemiegesetze sehen im Extremfall den Tod für die Beleidigung des Islams oder des Propheten Mohammed vor. Wer dessen beschuldigt wird, gerät oft schon vor einer Verurteilung ins Visier von Extremisten. Menschenrechtsaktivisten kritisieren, dass der Vorwurf auch häufig gegen religiöse Minderheiten verwendet werde. (sda/ pef)