Migration

Wer ist Schuld am Untergang der «Adriana»?

600 Menschen sind gestorben, als vor Griechenland ein Flüchtlingsboot gesunken ist. Amnesty International und Human Rights Watch prangern die griechischen Behörden und die Frontex an.

Ein halbes Jahr nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes vor Griechenland mit mehr als 600 Toten (ref.ch berichtete) bemängeln Menschenrechtsorganisationen die noch immer ausstehende Aufklärung. Die Hintergründe des Schiffbruchs, müssten dringend offengelegt werden, forderten Amnesty International und Human Rights Watch in einem gemeinsamen Bericht.

Der Schiffbruch vor Pylos sei «kein Einzelfall, sondern ein Beispiel für systematische Menschenrechtsverletzungen» durch griechische Behörden und die EU-Grenzschutzbehörde Frontex, erklärten die NGOs. Griechenland versäume das Aufklären von Schiffbrüchen und ahnde Menschenrechtsverletzungen an den Grenzen nicht.

Die neue Analyse zeige, dass die griechische Küstenwache verspätet und zu zögerlich Rettungsmassnahmen eingeleitet habe, obwohl sie von der Notlage an Bord des Fischkutters «Adriana» gewusst habe, erklärten die Menschenrechtler. Sie führten Interviews mit 21 Überlebenden des Vorfalls und mit fünf Verwandten von vermissten Personen.

Die überladene «Adriana» war am 14. Juni vor der griechischen Küste in Seenot geraten und gesunken. Nach Schätzungen waren bis zu 750 Flüchtlinge und Migranten an Bord. Nur 104 Menschen konnten gerettet werden. (epd/ dst)