Vier Kinder ertrinken vor Lesbos
Die Reihe von Tragödien im Mittelmeer reisst nicht ab. Bei zwei Schiffsunglücken vor den griechischen Inseln Samos und Lesbos sind fünf Migranten ums Leben gekommen, darunter vier Kinder. 54 Personen konnten gerettet werden.
Bei den Toten vor Lesbos handelte es sich um einen elf Monate alten Säugling, zwei Mädchen im Alter von acht und elf Jahren und einen achtjährigen Jungen, wie Schifffahrtsminister Miltiadis Varvitsiotis mitteilte. Ausserdem sei bei dem Unglück vor Samos eine Frau ums Leben gekommen. Beide Boote hatten von der türkischen Küste aus abgelegt, wie es hiess.
Schreie im Dunkeln
Das Unglück vor Samos ereignete sich in der Nacht. In von der Küstenwache veröffentlichten Videoaufzeichnungen der Rettungsaktionen sind im Dunkeln Schreie der Menschen zu hören, auch die erfolgreiche Wiederbelebung eines Kleinkindes durch die Beamten wird gezeigt. Insgesamt waren 37 Menschen an Bord des Schlauchbootes.
Das Unglück vor Lesbos ereignete sich laut Küstenwache am frühen Morgen. Dort konnten die Beamten 18 der 22 Migranten retten. Varvitsiotis drückte in einer Mitteilung «tiefe Trauer über den Verlust unserer Mitmenschen» aus und sagte, es sei das niederträchtige Geschäft der Schleuser und Schlepper, die aus Profitgier weiterhin das Leben der Menschen, sogar Kinderleben, gefährde.
Passagiere sollen Boot selber zerstört haben
Beim Unglück vor der Insel Samos sollen die Passagiere ihr Schlauchboot laut Küstenwache selbst zerstört und zum Kentern gebracht haben. Ob die Täter Migranten oder Schleuser waren, blieb zunächst unklar. Immer wieder werden zwischen der Türkei und Griechenland Flüchtlingsboote durch die Passagiere selbst zum Sinken gebracht. Auf diese Weise kann die griechische Küstenwache das Boot nicht zurück in türkische Gewässer drängen, sondern ist verpflichtet, die Menschen auf griechische Inseln oder zum Festland zu bringen. Das Vorgehen ist sehr riskant, da viele Migranten nicht schwimmen können.
Am Montag seien abgesehen von den zwei verunglückten Booten 80 Menschen mit anderen Booten auf Lesbos angekommen, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Aktuellen Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR zufolge sind in diesem Jahr bislang knapp 16’000 Menschen irregulär nach Griechenland eingereist – rund 12’000 über das Meer zu den griechischen Inseln, rund 4000 über die Landesgrenze von der Türkei in den Nordosten Griechenlands. Im gesamten vergangenen Jahr verzeichnete die Organisation knapp 13’000 Ankünfte. (sda/ dpa/ no)