Bezahlkarte

Weltbank-Ökonom: Geflüchtete überweisen wenig Geld ins Ausland

Bis im Sommer wollen alle deutschen Bundesländer Bezahlkarten für Flüchtlinge einführen. Das soll verhindern, dass Asylbewerber Geld ins Ausland überweisen. Auch in der Schweiz stösst das Konzept auf Interesse.

Der Weltbank-Chefökonom Dilip Ratha geht davon aus, dass Flüchtlinge nur in geringem Mass Geld in ihre Herkunftsländer schicken. Es gebe keinen Anlass, anzunehmen, dass Geflüchtete einen bedeutsamen Teil ihrer Sozialleistungen an Familien oder Freunde ins Ausland überweisen, sagte er in Berlin vor den Medien.  

Bei der Ankunft seien Asylbewerber zumeist mittellos und bräuchten die Sozialleistungen in erster Linie für sich selbst zum Leben. Zudem flüchteten häufig ganze Familien, sodass in der Heimat kaum jemand sei, dem Geld überwiesen werden könnte. 

Die Behauptung, Geflüchtete würden einen bedeutsamen Teil ihrer Sozialleistungen ins Ausland überweisen, diente zuletzt als Argument, um eine neue Bezahlkarte für Geflüchtete einzuführen (ref.ch berichtete). 

Schätzungen der deutschen Bundesbank stützen Rathas Annahme. Demnach fliesse besonders viel Geld in Länder, aus denen die meisten Arbeitsmigranten in Deutschland stammen: Türkei, Rumänien, Polen und Ukraine. 75 Prozent der Überweisungen erfolgen innerhalb Europas. 2023 seien demnach in diesem Zusammenhang rund 6,8 Milliarden Euro ins Ausland überwiesen worden.  

Der Anteil an Überweisungen von Asylbewerbern in Herkunftsländer wie Syrien, Afghanistan oder Irak mache dabei einen Anteil von 12 Prozent aus. Dabei könne nicht unterschieden werden, ob das Geld von Flüchtlingen stammt, die Sozialleistungen beziehen oder längst in Deutschland arbeiten. 

In Deutschland sollen Asylbewerber künftig nur noch einen Teil ihrer Sozialleistungen in bar erhalten, der Rest wird auf die Karte geladen. Das soll für Flüchtende den Anreiz senken, nach Deutschland zu reisen. Zudem soll durch die Karte auch der Verwaltungsaufwand reduziert werden. 

Auch in der Schweiz stösst die Idee einer Bezahlkarte auf Interesse. In den Kantonen St. Gallen und Zürich spricht sich die SVP für die Einführung einer solchen Karte aus. (epd/ dst)