Verdächtiger soll Kölner Dom ausgespäht haben
«Man weiss, dass er vor Ort war», hiess es aus Sicherheitskreisen über den Verdächtigen aus Tadschikistan. Er soll zusammen mit weiteren Personen einen terroristischen Anschlag auf den Kölner Dom geplant haben. Die Polizei hatte ihn in den vergangenen Tagen festgenommen und behält ihn in Gewahrsam (ref.ch berichtete).
Die Sicherheitskreise vermuten, dass es sich bei der Gruppe um eine Terrorzelle des Islamischen Staats handeln könnte, genauer seines regionalen Ablegers «Provinz Khorasan» (ISPK), der in Afghanistan in Konkurrenz zu den islamistischen Taliban steht. Zuvor hatte der «Kölner Stadt-Anzeiger» entsprechend berichtet. Bei dem anderen Ziel der Gruppe, zu der der 30-Jährige in Verbindung gebracht wird, soll es sich um den Stephansdom in Wien handeln.
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte, ebenfalls im Stadt-Anzeiger, dass sich die Menschen nicht einschüchtern lassen sollten. Die Feiern zu Silvester stehen an und offenbar war der Anschlag für diesen Tag geplant. Reker schärfte jedoch allen ein, sich an das Feuerwerksverbot in der Silvesternacht zu halten.
Die Feiern zum Jahreswechsel in der Stadt am Rhein sind seit 2015 von Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Damals, wie in mehreren darauffolgenden Jahren, ereigneten sich in der feiernden Menschenmenge hunderte sexuelle Übergriffe auf Frauen. Die Täter sollen vornehmlich junge Männer gewesen sein, die nach Deutschland geflüchtet waren.
Einsatz von Spezialeinheiten an Heiligabend
Spezialeinheiten der Polizei hatten in der deutschen Stadt Wesel an Heiligabend eine Wohnung durchsucht und fünf Männer in Gewahrsam genommen. Während vier von ihnen wieder auf freien Fuss gekommen seien, nahmen die Einsatzkräfte den 30 Jahre alten Tadschiken «zur Gefahrenabwehr in Gewahrsam». Das Verwaltungsgericht in Oberhausen bezeichnete den bis 7. Januar verhängten Langzeitgewahrsam als zulässig.
Die Sicherheitsbehörden hatten Hinweise auf einen möglichen Anschlagsplan einer islamistischen Gruppe erhalten, die sich auf Silvester bezogen. In Österreich waren bei Ermittlungen gegen ein islamistisches Netzwerk vier Personen festgenommen worden.
Tadschiken sollen schon früher Anschläge geplant haben
Bereits im Juli hatte die deutsche Bundesanwaltschaft im Bundesland Nordrhein-Westfalen eine mutmassliche islamistische Terrorzelle aufgedeckt und sieben Verdächtige festnehmen lassen. Den ebenfalls vorwiegend aus Tadschikistan stammenden Männern wird vorgeworfen, in Deutschland Anschläge geplant und die Terror-Organisation Islamischer Staat unterstützt zu haben. Sie sollen ebenfalls Mitglieder des IS-Ablegers «Islamischer Staat Provinz Khorasan» (ISPK) sein.
Schon 2019 hatten tadschikische IS-Terroristen in Neuss bei Düsseldorf geplant, einen Islamkritiker zu ermorden. Weil einige von ihnen von der Polizei schon länger überwacht worden waren, hatten Spezialkräfte den Mordanschlag verhindern können.
Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte 2022 fünf Männer aus Tadschikistan zu Gefängnisstrafen zwischen knapp vier und neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Tadschiken waren 2015 nach Deutschland gekommen und hatten 2019 eine Terrorzelle des IS gegründet. Der Bundesgerichtshof hatte ihre Verurteilung in diesem Jahr bestätigt. (sda/ dst)