Krieg im Nahen Osten

UN bestätigen Hungersnot in Gaza-Stadt

Seit Monaten fehlt es den Menschen in dem von Israel abgeriegelten Gaza-Streifen an Lebensmitteln. Die Vereinten Nationen werfen Israel vor, den Hunger als Waffe einzusetzen.

Die Vereinten Nationen haben erstmals für eine Region im Gaza-Streifen den Zustand einer Hungersnot erklärt. Mehr als eine halbe Million Menschen in und um Gaza-Stadt seien von der Hungersnot betroffen, teilten das Welternährungsprogramm (WFP) und andere UN-Organisationen mit.

«Keine Ausreden mehr», erklärte UN-Generalsekretär António Guterres: «Die Zeit zum Handeln ist nicht morgen – sie ist jetzt.» Es brauche einen sofortigen Waffenstillstand, die unmittelbare Freilassung aller Geiseln und vollen ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe.

Es werde davon ausgegangen, dass sich die Hungersnot in den kommenden Wochen auf die Verwaltungsgebiete Deir al-Balah und Chan Junis ausbreite, teilten die UN-Organisationen mit. Das WFP bezieht sich auf den Experten-Bericht «Food Security Phase Classification», der regelmässig die Hungersituation in bestimmten Ländern und Gebieten analysiert. Das Welternährungsprogramm veröffentlichte die Analyse zusammen mit dem Hilfswerk Unicef, der Weltgesundheitsorganisation und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO).

Der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher warf Israel vor, die Hungersnot gezielt als Waffe im Krieg gegen die islamistische Terrorgruppe Hamas einzusetzen. Es stünden genügend Lebensmittel bereit, um die mehr als zwei Millionen Menschen im Gaza-Streifen zu versorgen, sagte er. Doch Israel betreibe eine Politik der systematischen Blockierung und lasse die Lieferung ausreichender Mengen Lebensmittel und weiterer humanitärer Güter nicht zu. Fletcher forderte den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf, alle Grenzübergänge in den Gaza-Streifen für humanitäre Konvois zu öffnen.

Seit dem Überfall der islamistischen Hamas auf Israel im Oktober 2023 hat die israelische Armee den Gaza-Streifen weitgehend zerstört und abgeriegelt. Davor erreichten nach UN-Angaben täglich 500 bis 600 Lastwagen mit Hilfsgütern das Küstengebiet.

Die Menschen in Gaza hätten ihre Mittel ausgeschöpft, um ihr Überleben zu sichern, erklärte FAO-Generaldirektor Qu Dongyu. Die Menschen stürben an Hunger und Unterernährung, und die Zerstörung der Lebensmittelproduktion verschärfe die Lage weiter. «Der Zugang zu Essen ist ein Grundrecht», sagte er. (epd/ pef)

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