Voranfragen

Tausende Menschen aus Afghanistan bitten Schweiz um humanitäres Visum

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat bisher 7800 Anfragen von Personen aus Afghanistan erhalten, die ein Gesuch für ein humanitäres Visum stellen möchten. In drei Fällen gab das SEM einen positiven Bescheid.

Bisher habe das Staatssekretariat für Migration (SEM) «rund 7800 Mails erhalten von Personen aus Afghanistan, die gerne ein formelles Gesuch stellen würden.» Es handle sich um Voranfragen. Das SEM bestätigte damit einen Bericht von «Radio SRF». Bei den meisten Anfragen ging es demnach um Familienangehörige.

Das SEM nimmt nach eigenen Angaben bei den Anfragen eine Einschätzung vor, ob die Kriterien für die Erteilung eines humanitären Visums erfüllt sein könnten. Die Einschätzung habe keine rechtliche Wirkung. «Wir haben also keine Gesuche abgelehnt, und es sind auch keine Gesuche pendent», schreibt das SEM.

In den meisten Fällen reichten die Informationen und allfällige Dokumente aus Sicht des SEM nicht aus. «In drei Fällen gehen wir davon aus, dass die Kriterien erfüllt sein könnten.»

Enger Bezug zur Schweiz muss bestehen

Insbesondere zwei Kriterien müssen laut SEM erfüllt sein. So müsse die betreffende Person glaubhaft machen können, dass ihr eine konkrete und unmittelbar lebensbedrohende Gefahr drohe.

Die Zugehörigkeit zu einer möglicherweise gefährdeten Gruppe genüge nicht. Auch die Machtübernahme der Taliban als solche sei nicht ausreichend. Weiter müsse ein enger Bezug zur Schweiz nachgewiesen werden. Bei Ehegatten oder minderjährigen Kindern könne «allenfalls» ein Familiennachzug stattfinden.

Kritik an restriktiver Praxis

Humanitäre Visa, Familienzusammenführung und Resettlement sind drei verschiedene Möglichkeiten von legalen und sicheren Fluchtwegen. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) fordert, dass die Schweiz die Erteilung von humanitären Visa erleichtert und Familienzusammenführungen beschleunigt, um afghanische Geflüchtete aufzunehmen. Die aktuelle Praxis in Bezug auf humanitäre Visa sei äusserst restriktiv, teilte die SFH auf Anfrage mit. Die Schweiz vergebe kaum humanitäre Visa. Der Ermessensspielraum werde sehr eng ausgelegt. (sda/bat)