Fernsehgottesdienst
Am Sonntag blickt Europa auf die St. Galler Laurenzenkirche
Ihr Gottesdienst am Sonntag wird im ganzen Eurovisionsgebiet übertragen. Wie stellen Sie sicher, dass alles klappt?
Wir haben schon frühzeitig ein Drehbuch geschrieben und ein Handout für die Gemeinde zusammengestellt. Wir erwarten 200 bis 300 Besucherinnen und Besucher und platzieren Freiwillige an neuralgischen Punkten, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen.
Wie muss man sich dieses Handout vorstellen?
Darauf stehen das Programm und ein paar wichtige Informationen. Ausserdem singen wir drei Lieder, die nicht im Liederbuch stehen und es wird einen Brotsegen geben, den alle gemeinsam sprechen. Weil wir während des Gottesdienstes möglichst wenig Regieanweisungen geben oder Ansagen machen wollen, steht da auch, wann die Gemeinde steht und wann sie sitzt.
Sie erwarten bis zu 300 Personen. Stimmt es, dass zugunsten dieses reformierten Gottesdienstes am Sonntag in St. Gallen keine anderen stattfinden?
(lacht) Zumindest war es so geplant! Im Osten der Stadt ist es auch so, aber im Westen wird ein Gottesdienst durchgeführt, um eine neue Pfarrerin zu empfangen. Was auch sehr schön ist.
Übermorgen fällt der Reformationssonntag mit dem katholischen Feiertag Allerheiligen zusammen. Darüberhinaus werden Sie über die St. Galler Stadtheilige Wiborada sprechen. Ist das ein bewusster ökumenischer Ansatz?
Dieses Jahr war Wiboradas 1100. Todestag. Ich engagiere mich seit sechs Jahren in einer ökumenischen Gruppe, die Wiboradas Leben einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen möchte.
Was fasziniert Sie an dieser katholischen Heiligen?
Ich würde das nicht so streng sehen: Sie lebte ja lange vor der Reformation und wurde auch noch vorher heiliggesprochen. Wiborada ist eine wahnsinnig beeindruckende Frau. Sie war eigenständig und ist ihren Weg gegangen – das sind zentrale Aspekte, auch für die Reformierten. In Fachkreisen wird sie gleichgesetzt mit Niklaus von Flüe. Kommt hinzu, dass sie die erste Frau überhaupt war, die heiliggesprochen wurde.
Können Sie mehr über Wiborada erzählen?
Sie hat beispielsweise 150 Psalmen auswendig gelernt, einfach, weil sie es wollte. Sie war Seelsorgerin. Ursprünglich stammte sie aus einer adligen Familie, war reich – und soll von einem Tag auf den anderen allen Schmuck und ihre teuren Kleider abgelegt haben und nur noch zu Fuss gegangen sein. Das ist im Grunde reformiert: Uns geht es nicht ums Gold, sondern ums Leben.
Durch die internationale TV-Übertragung werden Sie am Sonntag vor einem grossen Publikum stehen. Macht Sie das nervös?
Ich muss die Grössenordnung schon etwas ausblenden, sonst werde ich nervös. Es hilft auch, dass wir den Gottesdienst in einem vertrauten, eingespielten Team auf die Beine stellen. Und ich hatte genügend Zeit, meinen Text zu üben.
Was sollte nach diesem Gottesdienst erfüllt sein, damit Sie das Gefühl haben, er sei gelungen?
Zunächst hoffe ich, dass der Zeitplan aufgeht und alles klappt. Vor allem aber ist mir wichtig, dass viele Menschen mitfeiern und sich berühren lassen. Und dass wir dem Publikum Wiborada näherbringen können.