St. Gallen

«Wir wollen zeigen, dass die Surround-Orgel nicht auf einen Stil beschränkt ist»

Am Sonntag beginnt das dritte Laurenzen-Orgelfestival in St. Gallen. Weshalb neben den Klassikern der Orgelmusik auch Klezmermusiker, Derwische und ein Science-Fiction-Instrument auftreten werden, erklärt Organist Bernhard Ruchti.
Die Orgel in der St. Galler Laurenzenkirche ist modern, der Spieltisch aufgeräumt. Organist Bernhard Ruchti sagt, Gastmusiker fänden sich schnell zurecht, bräuchten aber Zeit, um sich auf das Instrument einzulassen. (Bild: zVg)

Herr Ruchti, am Orgelfestival in der Laurenzenkirche gibt es von barocker Musik über Ravels Bolero, musikalische Meditationen und ein Konzert mit einer Klezmer-Band so viel Verschiedenes zu hören – welche Zielgruppe hatten Sie im Blick?
Eben nicht nur eine Zielgruppe. Uns ist es wichtig, den Fächer zu öffnen. Einerseits sprechen wir das klassische Orgelpublikum an mit den drei grossen Sonntagskonzerten. Andererseits wollen wir die Freunde klassischer Musik erreichen, die nicht speziell orgelaffin sind. Für sie spielen wir den beliebten «Bolero» von Maurice Ravel in einer Bearbeitung für die Orgel, mit Live-Perkussion und einer Tänzerin. Gleichzeitig zielen wir auf ein ganz anderes Publikum mit Morgenkonzerten oder einer Teilnahme an der St. Galler Museumsnacht. Dann wird neben der Orgel ein Theremin-Spieler aus Frankreich auftreten. Das Theremin ist ein elektronisches Instrument aus den 1920er-Jahren, das sphärische Klänge wie aus einem Science-Fiction-Film macht. Das wird sensationell tönen. Kommt dazu, dass die Kirche farbig ausgeleuchtet sein wird. Ich erwarte ein stimmungsvolles Konzert.

Überraschend ist die Klezmerband, zu deren jüdischer Volksmusik ein islamischer Derwisch tanzen wird.
Und die Orgel spielt an diesem Abend Bach. So werden die drei abrahamitischen Religionen musikalisch verbunden. Wir suchen immer nach Musikstilen, die sich gut mit dem Klang der Orgel verbinden lassen und auf Klezmer trifft das zu. Hier kommt im weitesten Sinn auch noch ein religiöser Aspekt dazu.

Was ist der Reiz an diesen Experimenten?
Experimente sind per se reizvoll. Ich finde es wichtig zu zeigen, wozu die Orgel in der Laurenzenkirche imstande ist. Die Surround-Funktion des Instruments ist etwas Neues. Damit ist es – anders als viele Kirchenorgeln – nicht vergangenheitsorientiert. Bei den meisten Orgeln ist die Wiedergabe alter Musik – namentlich von Johann Sebastian Bach – das entscheidende Kriterium. Aber wir wollen gerade zeigen, dass die Laurenzenorgel nicht auf einen Stil beschränkt ist. Sie ist unglaublich vielseitig und hat eine Bandbreite von fast unhörbaren Tönen bis zu sehr vollem, lautem Klang.

Und wie klingt nun Bach auf ihr?
Gut.

Wie ist es für Sie, wenn Gastmusikerinnen und -Musiker auf «Ihrer» Orgel spielen?
Das Schöne an einem solchen Festival ist gerade, dass man verschiedene Persönlichkeiten kennenlernt. Jede von ihnen spielt anders, aber auch die Orgel selbst klingt anders. Der Spieltisch der Surround-Orgel ist so aufgebaut, dass sich alle schnell zurechtfinden. Aber Klang und Dynamik sind so besonders, dass die Musiker einige Tage vor dem Konzert anreisen, um zu proben. Sie arbeiten stundenlang an ihrem Spiel auf der Orgel. Sie müssen sich auf das Instrument einlassen.

Geben Sie ihnen dann auch Geheimtipps?
Manchmal, wenn sie danach fragen. Aber es handelt sich um Spitzenleute mit unglaublichem Gehör, die mit der Orgel umgehen können. Von allen, die bisher auf der Surround-Orgel gespielt haben, haben sich die allermeisten ausserordentlich positiv über das Instrument geäussert. Der Klang sei warm und nicht piepsig, wie es bei manch anderer Orgel der Fall ist. Sie sei auch symphonisch sehr geeignet.

Seit 2024 steht die Surround-Orgel in der Laurenzenkirche. (Bild: zVg)

Die Konzerte sind gratis und für manche muss man Tickets reservieren. Sind die guten Plätze schon weg?
Sie sind begehrt. Im Mittelschiff gibt es aber jeweils noch einige Plätze und in den Seitenschiffen hat man sicher Platz. Das Reservationssystem haben wir für Leute eingeführt, die von weiter her anreisen.

Das Orgelfestival findet vom 6. Bis 20. September in der Laurenzenkirche in St. Gallen statt. Das Programm und die Möglichkeit zu reservieren finden Sie hier.

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