Ratschläge aus der Zelle
Ein Holzhäuschen mit Tisch, Bett und einem Fenster zum Kommunizieren. In dieser kargen Zelle hinter der Kirche St. Mangen in St. Gallen haben auch in diesem Jahr fünf Freiwillige eine Woche nach dem Vorbild der Heiligen Wiborada gelebt. Rund 400 Besucherinnen blieben vor der Zelle stehen und liessen sich von den Inklusinnen Rat geben, wie es in einer Mitteilung der Initiantinnen des Projekts heisst.
Mit der Aktion, die nach 2021 bereits zum zweiten Mal durchgeführt wurde, soll an die St. Galler Stadtheilige Wiborada erinnert werden. Wiborada lebte im 10. Jahrhundert als Eingeschlossene bei der heute reformierten Kirche St. Mangen. Sie hatte sich einmauern lassen und lebte bis zu ihrem Tod als sogenannte Inklusin. 1047 wurde Wiborada, die zu Lebzeiten als Ratgeberin bekannt war, von Papst Clemens II heiliggesprochen. Danach geriet sie jedoch in Vergessenheit.
Für das Projekt wurden fünf Frauen ausgewählt, darunter die reformierte Pfarrerin der Kirche St. Laurenzen Kathrin Bolt. Sie lebten während jeweils einer Woche in der Zelle eingeschlossen und wurden von der Bevölkerung mit Wasser und Lebensmitteln versorgt. Zwei Stunden am Tag durften Besucherinnen und Besucher mit den Eingeschlossenen sprechen.
Aufgrund des Erfolgs soll der Anlass auch im nächsten Jahr wieder stattfinden, wie es in der Mitteilung heisst. Interessenten können sich bereits jetzt auf der Website der Veranstaltung als Inklusinnen bewerben. Durchgeführt wird das Projekt von einem ökumenischen Team rund um die Theologin Hildegard Aepli. (no)