SOS Méditerranée
Seenotretter müssen Millionen-Ausfall kompensieren
Die SOS Méditerranée steht unter «massivem finanziellen Druck», schreibt die 2015 gegründete Seenotrettungsorganisation in einer Mitteilung. Ab 2026 wird sie ohne die Unterstützung der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) auskommen müssen. Die IFRC hat angekündigt, ihre Beteiligung an den Seenotrettungseinsätzen im zentralen Mittelmeer auf der Ocean Viking zu beenden.
Die IFRC begründet den Entschied mit fehlenden Ressourcen. «Es schmerzt uns unglaublich und macht uns traurig, dass finanzielle Zwänge sich direkt auf eine so wichtige und lebensrettende Operation auswirken», sagt Maria Alcazar Castilla, stellvertretende Regionaldirektorin der IFRC für Europa in einer Mitteilung.
Die vierjährige Partnerschaft war bereits Anfang Jahr unter Druck geraten. Damals reduzierte die IFRC ihre Gelder von 2 auf 1,3 Millionen Franken. Ab 2026 fällt die finanzielle Unterstützung ganz weg. Das entspreche nahezu einem Viertel des jährlichen Betriebsbedarfs, schreibt SOS Méditerranée.
Laut Mitteilung waren seit 2021 IFRC-Teams bei 156 Einsätzen an Bord, leisteten über 6500 medizinische Behandlungen, verteilten rund 96’000 Mahlzeiten und unterstützten mehr als 8’600 gerettete Menschen – darunter 2200 Kinder. Neben medizinischer Hilfe boten sie auch psychologische Betreuung, Informationen zu Asylverfahren und halfen Überlebenden, Kontakt zu Angehörigen aufzunehmen.
Der Rückzug der IFRC zwingt SOS Méditerranée, alle humanitären Aufgaben künftig eigenständig zu übernehmen. Die Organisation müsse nun zusätzliche Fachkräfte einstellen und zusätzliche Gelder auftreiben.
In einer ersten Übergangsphase soll die Ocean Viking mit reduziertem Team und interner medizinischer Ausstattung operieren. Diese Lösung sei jedoch nicht dauerhaft tragfähig. «Wir sind fest entschlossen, die Ocean Viking auf See zu halten, aber wir können das nicht alleine schaffen», lässt sich Elliot Guy, Generaldirektor von SOS Méditerranée Schweiz, zitieren. (gab)