Seenotrettung

«Ocean Viking» meldet Beschuss durch libysche Küstenwache

Bei einem Einsatz vor der libyschen Küste soll ein Rettungsschiff beschossen worden sein. Die NGO SOS Méditerranée kündigt eine Untersuchung an.

Das Seenotrettungsschiff «Ocean Viking» ist nach Angaben seiner Betreiberorganisation von der libyschen Küstenwache beschossen und beschädigt worden. Das Schiff sei im Mittelmeer in internationalen Gewässern gezielt unter Beschuss genommen worden, erklärte SOS Méditerranée in Berlin. Verletzt worden sei niemand, alle hätten jedoch um ihr Leben gefürchtet.

Zum Zeitpunkt des Beschusses seien neben der Crew 87 aus Seenot gerettete Menschen an Bord gewesen. Die «Ocean Viking» habe sich dabei rund 40 Seemeilen nördlich der libyschen Küste befunden, als sich ein Patrouillenboot der Küstenwache genähert habe. Die Seenotretter, die dort zu einer Notfallsuche von der italienischen Leitstelle autorisiert gewesen seien, seien unrechtmässig zum Rückzug aufgefordert worden. Ohne Vorwarnung hätten dann zwei Männer das Feuer eröffnet und das Schiff mindestens 20 Minuten lang beschossen, meldete SOS Méditerranée.

Das libysche Patrouillenboot habe das Schiff umkreist und insbesondere die Brücke ins Visier genommen. Es habe Einschusslöcher auf Kopfhöhe gegeben, Antennen seien zerstört worden, vier Brückenfenster zerbrochen. Schnellrettungsboote und weitere Rettungsausrüstung seien schwer beschädigt worden.

«Die Methoden, Umstände und Abläufe zeigen klar, dass es sich um einen gezielten Angriff auf unsere Crew und unsere Rettungskapazitäten handelte», betonte SOS Méditerranée. Dies sei kein Einzelfall. Die libysche Küstenwache habe «eine lange Geschichte rücksichtslosen Verhaltens, das Menschen auf See gefährdet, Menschenrechte eklatant verletzt und internationales Seerecht vollkommen missachtet».

Die Seenotrettungsorganisation warf europäischen Staaten vor, dennoch ihre Unterstützung, Ausstattung und Ausbildung der libyschen Küstenwache fortzusetzen. Das bei dem Angriff eingesetzte Patrouillenboot sei 2023 von Italien im Rahmen eines EU-Programms an die Libyer übergeben worden. SOS Méditerranée fordere eine umfassende Untersuchung der Ereignisse und eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen, betonte Einsatzleiterin Soazic Dupuy.

Die «Ocean Viking» nahm nach dem Vorfall Kurs auf ihren Heimathafen Syrakus. Dort sollen die 87 Geretteten an Land gebracht und die nötigen Reparaturen vorgenommen werden. (epd/ dst)

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