Krieg im Nahen Osten

Religionsverbände mahnen zu Menschlichkeit

Die USA und Israel haben den Iran angegriffen. Christliche, jüdische und islamische Verbände weltweit reagieren darauf – mit unterschiedlichen Anliegen.
In der iranischen Hauptstadt Teheran am Morgen nach den Angriffen: Eine Frau sieht den Aufräumarbeiten vor eine zerstörten Gebäude zu. (Bild: Abedin Taherkenareh/ Keystone)

Der Weltkirchenrat zeigt sich «zutiefst besorgt» und verurteilt die Angriffe und die rasch eskalierende Spirale von Gegenschlägen (ref.ch berichtete). Er fordert den sofortigen Stopp aller militärischen Handlungen, den Schutz der Zivilbevölkerung gemäss humanitärem Völkerrecht und die Rückkehr zu Diplomatie und politischem Dialog. In die gleiche Richtung geht die Stellungnahme des Lutherischen Weltbundes. Zu einem «dringenden Gebet» ruft die Weltweite Evangelische Allianz auf und unterstreicht den Wunsch nach Frieden.

Aus dem Vatikan erfolgt der Appell an alle Kriegsparteien, die Eskalation zu stoppen und zum Dialog zurückzukehren. Papst Leo XIV. sagte, man sei mit der «Möglichkeit einer Tragödie von enormen Dimensionen» konfrontiert. Er pochte auf die moralische Verpflichtung der beteiligten Regierungen, die Gewalt zu stoppen. Das berichtet «Vatican News».

Wie reagieren die Kirchen in den USA?

US-amerikanische Kirchenverbände äussern sich allesamt kritisch gegenüber den Luftangriffen auf den Iran unter Führung der US-Regierung.

Die Kirchenleitung der United Church of Christ USA (UCC) verurteilt die Bombardierung iranischer Städte und ruft Glaubende auf, Politikerinnen und Politiker zu drängen, den Krieg abzulehnen. Die UCC ist die Vertreterin der protestantischen Kirche in den Vereinigten Staaten. In einer Stellungnahme schreibt sie: «Wir fordern ein Ende des Missbrauchs staatlicher Macht, der sich gegen Menschen richtet, die zwar keine Entscheidungen treffen, aber dennoch die Hauptlast der daraus resultierenden Gewalt tragen und Opfer von Massnahmen werden, die sie nicht unterstützen.»

Über den «wachsenden Militäreinsatz» und den drohenden Flächenbrand besorgt ist die Presbyterianische Kirche der USA. Sie betont, Entscheidungen über Krieg und Frieden seien am menschlichen Leid zu messen.

Die anglikanische Kirche in den USA äussert sich ebenfalls besorgt und ausführlich zu den Militärschlägen. Bischof Sean Rowe schreibt: «Dieser gewalttätige Angriff erfolgte trotz wochenlanger Verhandlungen, von denen viele von uns gehofft hatten, dass sie einen bewaffneten Konflikt in dieser fragilen Region verhindern würden, in der so viele religiöse Traditionen und gläubige Menschen beheimatet sind.» Die Angriffe auf den Iran würden zu weiterem Leiden für die iranischen Menschen führen. Denn Vergeltung der iranischen Führung werde unausweichlich folgen und das Leiden werde sich auf die gesamte Region ausweiten.

Die katholische Friedensbewegung Pax Christi USA verurteilt die Bombardierungen ebenfalls und fordert von den politischen Führungen ein Ende der Gewalt.

Was fordern andere Religionsgemeinschaften?

Der Rat amerikanisch-islamischer Beziehungen fordert die US-Bevölkerung dazu auf, sich gegen den «illegalen Krieg» zu äussern, bevor US-amerikanische Soldaten und Menschen «überall im Mittleren Osten» ihr Leben verlieren. Auf politischem Weg sollen Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Angriff auf den Iran und zivilen Opfern verlangt werden.

Den Angriff auf den Iran verurteilt auch die Organisation für Islamische Zusammenarbeit, die sich als «gemeinsame Stimme der muslimischen Welt» bezeichnet. Sie verurteilt jedoch auch den Gegenschlag Irans, der das Sultanat Oman getroffen habe. Zivile Einrichtungen seien keine Ziele und die Zivilbevölkerung dürfe nicht in Gefahr gebracht werden.

Ein internationales buddhistisches Netzwerk schreibt in den sozialen Medien, Frieden sei nicht mit Gewalt zu erreichen. Regierungen sollten die Souveränität von Staaten respektieren und «einseitige Militarisierung» ablehnen.

Welche Haltung haben Jüdische Organisationen in den USA?

Nationale jüdische Organisationen in den USA tragen die Offensive Israels und der USA gegen den Iran mit. Die iranische Regierung hatte seit Jahrzehnten ihre Absicht bekräftigt, den Staat Israel zu vernichten.

So geben die «Jüdischen Verbände Nordamerikas» an, für den Erfolg der Angriffe auf den Iran und die Sicherheit der Streitkräfte zu beten. Sie sagen aber auch, dass die Offensive zu weiteren Spannungen führe. Sie erwarten, dass «ausländische Terrororganisationen, gewaltbereite Extremisten und opportunistische Gruppen» Aktionen gegen jüdische Institutionen in Nordamerika durchführen könnten. Jüdischen Gemeinden raten sie, wachsam zu sein und die ohnehin erhöhten Sicherheitsvorkehrungen aufrecht zu erhalten.

Das Amerikanische Jüdische Komitee stellt sich an die Seite der US-amerikanischen und der israelischen Regierung: Man müsse die Bedrohung durch das iranische Regime beenden. Um internationale Unterstützung im Kampf gegen den Iran bittet schliesslich der Jüdische Weltkongress.

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema