Reformierte Kirchen treffen Massnahmen gegen Corona-Virus

Das Corona-Virus hat einschneidende Folgen für die Schweiz. Grossveranstaltungen müssen abgesagt werden. Die Kirchen sind davon zwar nicht betroffen; dennoch werden Gottesdienste verschoben und Hände nicht mehr geschüttelt.


Der Bundesrat verbietet Grossveranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern wegen der Ausbreitung des Corona-Virus. Deswegen müssen die Basler Fasnacht und der Genfer Autosalon abgesagt werden. Die Kirchen sind davon zwar nicht direkt betroffen; trotzdem treffen auch sie Vorsichtsmassnahmen. So wird der erste römisch-katholische Gottesdienst seit 500 Jahren in der reformierten Genfer Kathedrale St. Peter, der am Samstag hätte stattfinden sollen, verschoben.

Desinfektionsmittel in der Kirche

Im Zürcher Grossmünster hingegen werden laut Pfarrer Christoph Sigrist alle Gottesdienste durchgeführt. Sonst treffe die Kirche «die normalen Vorsichtsmassnahmen». In der Kirche sei ein Desinfektionsmittel aufgestellt, die Mitarbeitenden würden zu den Hygiene-Massnahmen des Bundes angehalten.

«Wir nehmen das Virus ernst, wollen aber auch nicht übersteuern», so Sigrist. Er spüre, dass viele Menschen sehr besorgt seien. Oft werde er darauf angesprochen, auch spontan auf der Strasse. Das Virus spiegle dabei die tiefe Angst «etwas nicht in den Griff zu bekommen». Genau hier sei die Kirche aber stark. Die Kirche sei der Ort, an den man sich wenden könne, bei Unsicherheit und bei unkontrollierbaren Ereignissen.

Keine Hände schütteln im Spital

Die reformierte Spitalseelsorgerin Maria Borghi-Ziegler hingegen berichtet, dass das Corona-Virus in ihren Seelsorgegesprächen kein grosses Thema sei. Sie arbeitet am Universitätsspital Zürich, einem der designierten Abklärungsspitäler. Man höre Leute darüber sprechen, doch für ihre Patientinnen sei das Virus nicht im Vordergrund. Corona-Virus-Patienten gebe es ihres Wissens am Universitätsspital Zürich auch noch keine, berichtet Borghi-Ziegler am Freitagnachmittag.

Einzig die Hände dürfen die Seelsorger nicht mehr schütteln. Das ist eine Direktive des Spitals. Sonst würden die gleichen verschärften Hygienemassnahmen gelten wie fürs gesamte Spital. Auch der Gottesdienst am Sonntag zum «Tag der Kranken» werde voraussichtlich wie geplant stattfinden. Man beobachte die Situation aber weiter und werde das Programm gegebenenfalls anpassen.

Plan für ausfallende Mitarbeitende

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) will «in geschwisterlicher Verbundenheit verantwortungsvoll und besonnen mit dem Krankheitsrisiko des Corona-Virus» umgehen. Sie warnt aber auch davor, dass das Virus die Kirche auf verschiedenen Ebenen tangieren könne.

Der Rat der EKS empfiehlt deshalb seinen Mitgliedkirchen, sich aktiv an der Hygiene-Kampagne des Bundesamts zu beteiligen und präventive Massnahmen umzusetzen. Zudem sollen die Kirchen «einen Plan für die eigene betriebliche Kontinuität» erarbeiten. Denn falls sich das Virus weiterverbreite, könnten viele Mitarbeitende zeitweise ausfallen, weil sie krank sind oder Kranke betreuen müssen.

Weiter hat der Rat der EKS beschlossen, eine Expertengruppe für das Corona-Virus einzuberufen. Diese wird weitere Präventions- und Hygiene-Empfehlungen zusammenstellen und so bald wie möglich den Kirchen zur Verfügung stellen. (mos)