Reformierte Kirche unterstützt private Seenotrettung im Mittelmeer

Der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz hat beschlossen, ein ziviles Bündnis zu unterstützen, das in Seenot geratene Flüchtlinge im Mittelmeer rettet. Berücksichtigt wird die von der Evangelischen Kirche in Deutschland mitinitiierte Seenotrettungsorganisation «United4Rescue».

Die EKS will sich an einem Rettungsschiff beteiligen, das wie hier Menschen vor dem Ertrinken auf dem Mittelmeer rettet. (Bild: KEYSTONE/LAIF/Nicolo Lanfranchi)

Der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) schaltet sich in die europäische Flüchtlingspolitik ein und unterstützt offiziell die private Seenotrettung im Mittelmeer. Dies, nachdem die europäischen Missionen praktisch zum Erliegen gekommen seien, wie es in einer Mitteilung vom 30. Januar heisst. Argumentiert wird dabei mit christlicher Menschenliebe und Barmherzigkeit. Die Tatsache, dass Menschen vor unseren Augen den Tod finden, sei nicht akzeptabel, schreibt EKS-Ratspräsident Gottfried Locher: «Vor den Toren Europas ertrinken Menschen auf der Suche nach einer friedvollen Zukunft. Täglich. Helfen wir mit, Leben zu retten – in Gottes Namen.» Gemäss dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sind von den im vergangenen Jahr insgesamt über 90‘000 Bootsflüchtlingen 1300 Menschen ums Leben gekommen.

Starkes Zeichen

Der symbolische finanzielle Betrag «von einigen Tausend Franken» der EKS soll in das von der Evangelischen Kirche in Deutschland mitinitiierte Bündnis «United4Rescue» fliessen. Dessen Sprecher Joachim Lenz zeigt sich auf Anfrage von ref.ch erfreut: «Eine Kirche aus der Schweiz mit an Bord zu haben, ist ein starkes Zeichen. Es zeigt, dass das Bündnis internationalen Rückenwind geniesst.» Mit dem gesammelten Geld sei man nun dabei, für ein Boot mitzubieten, das nach dem Erwerb in ein Rettungsschiff umfunktioniert werden kann. Die Organisation «Seawatch» biete heute Donnerstag im Namen von «United4Rescue» für ein Schiff namens «Poseidon» mit. «Erhalten wir den Zuschlag, können wir bereits im April in See stechen», sagt Lanz.

Soforthilfe in Griechenland

Neben der Seenotrettung will sich die EKS auch für die in Europa angekommenen Flüchtlinge engagieren. Die menschenunwürdigen Zustände in völlig überfüllten Auffanglagern an den europäischen Aussengrenzen würden nach einer direkten humanitären Antwort verlangen. Im Sinne einer Soforthilfe wolle man auch Flüchtlingsprojekte von reformierten Kirchen in Griechenland unterstützen.

Auch das Präsidium der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) unterstützt das Bündnis «United4Rescue» mit einem finanziellen Beitrag von 10’000 Franken, wie die SBK am Donnerstag mitteilte. Gleichzeitig sprechen sich die Bischöfe gegen einen Beitritt zum Bündnis aus. Dies entspreche nicht der Praxis der Bischofskonferenz.