Schweiz und Kirchen sollen Sterben auf Mittelmeer stoppen

Damit das Mittelmeer nicht mehr zum Grab für Bootsflüchtlinge wird, soll sich die Schweiz am Aufbau eines zivilen Seenotrettungssystems beteiligen. Dies fordert eine Petition, die mit rund 24’000 Unterschriften eingereicht wurde. Auch die Kirchen werden in die Pflicht genommen.


Auf dem Berner Waisenhausplatz haben am 7. Januar Freiwillige tausende Stoffstreifen mit Namen von Menschen, die auf der Flucht nach Europa gestorben sind, im Wind flattern lassen. Während sich die Installation mit den Namen von rund 36’000 Verstorbenen in einem grossen Rechteck formierte, fand in der Nähe die Medienorientierung zur Petition «Sterben auf dem Mittelmeer stoppen!» zuhanden von Bundesrat und Parlament statt.

Die Petition sei lanciert worden, um eine Motion der Zürcher Nationalrätin Mattea Meyer (SP) mit demselben Titel zu unterstützen, sagte der reformierte Theologe Pierre Bühler, der sich im Netzwerk Migrationscharta.ch engagiert, vor den Medien. Die Antwort des Bundesrates auf den Vorstoss der Politikerin sei «unbefriedigend» gewesen. Im Nationalrat ist er noch nicht behandelt worden. «Deshalb ist es ein guter Moment, die Petition jetzt einzureichen», so Bühler weiter. Hinter der Petition stehen die Solidaritätsnetze Schweiz, Solidarité sans frontières und weitere Organisationen, darunter auch kirchliche.

Schweiz soll auch Bootsflüchtlinge aufnehmen

Die Petition fordert mit insgesamt 24’4000 Unterschriften, dass sich die Schweiz am Aufbau eines europäisch organisierten und finanzierten zivilen Seenotrettungssystems beteiligt. Wie ein solches System konkret aussehen könnte, wurde an der Orientierung nicht gesagt. Die Schweiz soll sich laut Petition auch für eine rasche Unterbringung der Menschen einsetzen, die aus Seenot gerettet werden. Bundesrat und Parlament sollen zudem die rechtlichen Grundlagen schaffen, die eine rasche Aufnahme von Bootsflüchtlingen in der Schweiz ermöglichen.

Die ebenfalls anwesende Mattea Meyer zeigte sich vor den Medienvertretern dankbar für das Engagement der Kirche zugunsten von Flüchtlingen, die sie als «wichtigen Akteur» bezeichnete. Ursprung ihrer Motion, die sie im Mai vergangenen Jahres einreichte, sei ein Ereignis in Deutschland gewesen, sagte die Politikerin.

Dort haben im vergangenen April über 200 Bundestagsabgeordnete die Bundesregierung zu mehr Unterstützung der Seenotrettung im Mittelmeer aufgefordert. Auch die Schweiz solle heute handeln und Verantwortung übernehmen, forderte Meyer. «Menschen sollen nicht mehr in Seenot geraten.»

Rettungsschiff unterstützen

Nicht nur die offizielle Schweiz soll aktiv werden, sondern auch die Kirchen. So wurde ein Brief des Netzwerkes migrationscharta.ch, in dem sich etwa 1000 Menschen zusammengeschlossen haben, an die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und die Evangelisch-reformierte Kirche der Schweiz (EKS) publik gemacht. Das Schreiben war bereits am 12. Dezember, noch vor Weihnachten, verschickt worden. Mit der Veröffentlichung wolle man «ein bisschen Druck» ausüben, räumte Pierre Bühler vor den Medien ein.

Die Kirchen werden in dem Brief gebeten, sich dem von der Evangelischen Kirche Deutschlands initiierten Bündnis «United4Rescue Gemeinsam Retten e.V.» anzuschliessen. Dieses will ein eigenes Rettungsschiff für Flüchtlinge ins Mittelmeer schicken.

Beim Bund Einfluss nehmen

SBK und EKS sollen zudem Einfluss nehmen, indem sie sich bei den zuständigen Stellen des Bundes dafür einsetzen, dass sich die Schweiz an der Aufnahme von geflüchteten und aus Seenot geretteten Menschen beteiligt.

«Es ist höchste Zeit, wirklich zu handeln und unseren vielen Worten in Predigten und Ansprachen konkrete Taten folgen zu lassen», sagte die katholische Theologin Nicola Neider. Das beinhalte auch finanzielle Solidarität. Die Kirchen könnten damit ein Zeichen auch in der Gesellschaft setzen. «Wir in der Kirche sind bereit, bei unserer Lebenshaltung Abstriche zu machen – so wie das auch die Klimajugend tut.» (Barbara Ludwig /kath.ch)