Abschied von Queen Elizabeth II.

«Sie hat sich als junge Frau im machoiden royalen Umfeld behauptet»

Der Tod von Queen Elizabeth II. erschüttert die Welt. Auch Pfarrerin Carla Maurer von der Swiss Church in London zeigt sich bewegt und würdigt ihre Leistungen.

Queen Elizabeth II. ist am Donnerstag im Alter von 96 Jahren auf ihrem schottischen Landsitz Balmoral gestorben. (Bild: Christian Hartmann/Pool via AP)

Um Punkt zwölf Uhr mittags (13.00 Uhr MESZ) am Freitag haben in ganz Grossbritannien im Gedenken an die verstorbene Königin Elizabeth II. die Glocken geläutet.

Vor der Westminster Abbey und der St.-Pauls-Kathedrale in London, am Schloss Windsor, wo die Queen zuletzt lebte, und in Schottland, wo sie am Donnerstag auf ihrem Landsitz Balmoral starb, hielten Menschen inne und lauschten dem Geläut. Hunderte Kirchen stimmten ein. Die Queen war das Oberhaupt der Mutterkirche der anglikanischen Gemeinschaft, der Church of England. Diese Rolle hat jetzt ihr Sohn, König Charles III., inne.

Auch Carla Maurer, Pfarrerin der Swiss Church in London, ist vom Tod der Queen bewegt: «Sie war eine bewundernswerte Person.» Maurer bewundere als Frau und Feministin, wie sie sich als junge Frau in diesem machoiden royalen Umfeld behauptet habe. Und dann mit Coolness sich einen Machtraum geschaffen habe. «Ja, sie war und ist ein Vorbild für mich.» Wegen ihr habe sie bei der Einbürgerung zur Britin auch Gas gegeben. «Mein Ziel war, dass ich meinen Schwur auf die Queen machen kann», sagt Maurer. Das habe im März auch geklappt. Nun sei das Konterfei von Queen Elisabeth II. auf ihrem Pass zu sehen. 

Fürbitte für Verstorbene

In der Kirche selbst werde man nicht extra eine Andacht organisieren. «Das fände ich für die Reformierte Kirche Schweiz nicht passend», sagt Maurer. Sie könne sich aber vorstellen, eine Fürbitte dazu vorzutragen. Dort soll aber allen Verstorbenen gedacht werden.

Auch Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirchen Schweiz, äusserte sich auf Twitter zum Tod der Queen: «The Protestant Church in Switzerland prononces its deepest condolences to our brothers and sisters in the Church of England. We lost an inspirational Churchleader (@JustinWelby). May #TheQueen see now, what she has trusted in her life.»

Ebenfalls betroffen zeigte sich Bundespräsident Ignazio Cassis auf Twitter: «Deeply saddened by the passing of HM #QueenElizabeth II. My sincere and heartfelt condolences to the Royal Family on behalf of the Federal Council and the people of Switzerland. She will be remembered as a woman of great strength & steady leadership.»

Über 70 Jahre auf dem Thron

Queen Elizabeth II. war am Donnerstag im Alter von 96 Jahren auf ihrem schottischen Landsitz Balmoral gestorben. Noch am Dienstag hatte sie dort Liz Truss formell mit der Regierungsbildung beauftragt. Es war das letzte Bild, das die Öffentlichkeit von der Queen sah. Sie hatte einen Stock in der Hand und war gebeugt, zeigte aber noch einmal ihr vertrautes, strahlendes Lachen.

Sie war über 70 Jahre und damit länger als jeder andere britische Monarch vor ihr auf dem Thron. Elizabeth II. war Staatsoberhaupt von Grossbritannien und Nordirland und mehr als einem Dutzend weiterer Staaten, darunter Kanada, Neuseeland und Australien. Hinter seinem Vater Charles rückt Queen-Enkel Prinz William (40) zum Thronfolger auf. Nummer zwei in der Thronfolge ist jetzt der neunjährige Prinz George, dahinter folgen seine Geschwister Prinzessin Charlotte und Prinz Louis.

Obwohl Elizabeth als britische Monarchin über keine politische Macht verfügte, galt sie als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Zeit. Mit unbedingtem Pflichtbewusstsein und Beständigkeit führte sie Grossbritannien durch grosse Veränderungen. Truss würdigte die Queen als «Fels, auf dem das moderne Grossbritannien errichtet wurde». Das Land sei unter ihrer Herrschaft gewachsen und gediehen. UN-Generalsekretär António Guterres sagte, Elizabeth II. sei auf der ganzen Welt für ihre «Anmut, Würde und Hingabe» bewundert worden. «Die Welt wird sich noch lange an ihre Hingabe und ihre Führungskraft erinnern.»

Vorbild für Millionen

Bundeskanzler Olaf Scholz würdigte die Königin als «Vorbild und Inspiration für Millionen, auch hier in Deutschland». US-Präsident Joe Biden nannte die Queen eine einzigartige Staatsfrau und «mehr als eine Monarchin.» Wie auch in Grossbritannien und in den USA wird die Flagge der Vereinten Nationen die nächsten Tage auf halbmast wehen. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sprach von einem grossen Verlust für das britische Volk, wie es nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens in seinem Beileidsschreiben an König Charles hiess.

Trauer herrscht auch in weiteren Staaten, die früher zu Grossbritannien gehörten und heute im Verband Commonwealth vereint sind. Die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern würdigte das «unerschütterliche Pflichtbewusstsein» der Monarchin. Der australische Premierminister Anthony Albanese hob ihre ruhige Ausstrahlung hervor. In Brasilien – kein Commonwealth-Land – wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

Menschen singen Lieder

An Plätzen in Grossbritannien hatten sich schon am Donnerstag Tausende Menschen versammelt, Blumen niedergelegt oder die Nationalhymne «God Save the Queen» gesungen. Viele brachen in Tränen aus, als die Flagge am Buckingham-Palast herabgesetzt wurde.

Das Empire State Building in New York leuchtete als Tribut an die Queen lila und glitzerte silbern. In Rio de Janeiro war die Christus-Statue in den Farben rot, blau und weiss angestrahlt. In Paris wurden zu Ehren der Queen in der Nacht die Lichter am Eiffelturm ausgeschaltet.

Sportveranstalter unterbrachen geplante Wettkämpfe oder sagten sie ab. Betroffen waren unter anderem ein Golf-Turnier, Pferderennen und Rugby-Spiele sowie zumindest die für Freitag angesetzten Fussballspiele unterer Klassen. Ob weitere Spiele am Wochenende abgesetzt werden, war zunächst unklar. Schon vor Jahren wurde minuziös geplant, was nach dem Tod der Queen passieren soll. Ihr Staatsbegräbnis wird für Montag, den 19. September, erwartet. Zuvor soll König Charles III. eine Trauerreise durch das Vereinigte Königreich antreten.

Versöhnungsgeste in Irland

Die 1926 geborene Queen wurde 1952 Königin. Damals war Grossbritannien noch eine Kolonialmacht. 1997 wurde als letzte grössere Kolonie Hongkong an China übergeben. Durch den Commonwealth pflegte die Queen später weiterhin den Kontakt zu den ehemaligen Territorien. Sie absolvierte Hunderte Auslandsreisen, auch mehrere nach Deutschland. Zuletzt besuchte sie die Bundesrepublik bei einem Staatsbesuch 2015. Zu ihren Stationen gehörten Berlin, Frankfurt am Main und das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Als wichtigste Reise gilt ihr Besuch in Irland 2011. Dies wurde als Versöhnungsgeste gefeiert. Zuletzt hatte ein britisches Staatsoberhaupt Dublin vor der Unabhängigkeit des Landes von Grossbritannien im Jahr 1911 besucht. Aus politischen Angelegenheiten hielt sich die Monarchin jedoch stets heraus. Auch zum Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union (Brexit) äusserte sie sich nicht.

Schon als 13-Jährige hatte Elizabeth sich in Philip Mountbatten verliebt. Der griechische Prinz aus einem dänisch-deutschen Adelshaus war zeitlebens ihre grosse Stütze. Die Ehe währte bis zu Philips Tod im April 2021, als er im Alter von 99 Jahren starb. (sda/bat)