Grossbritannien
Premier Burnham offen für offizielle Entschuldigung für Sklavenhandel
Das Wichtigste in Kürze
Warum erwägt Grossbritannien eine Entschuldigung für den Sklavenhandel?
Grossbritannien prägte vom 16. bis zum 19. Jahrhundert den transatlantischen Sklavenhandel. Es brachte 3 Millionen Menschen aus Afrika auf den amerikanischen Kontinent. Damit verdiente Grossbritannien viel Geld. Vor dem Commonwealth-Gipfel in der Karibik kündigte der britische Premierminister Andy Burnham einen Dialog über die historische Verantwortung des britischen Staates an.
Warum lehnt Premierminister Andy Burnham Reparationen für die Sklaverei ab?
Burnham hält finanzielle Entschädigungen für die Verbrechen während der britischen Kolonialzeit nicht für angemessen. Die heutige Bevölkerung Grossbritanniens könne nicht für historische Ungerechtigkeiten verantwortlich gemacht werden, an denen sie persönlich nicht beteiligt gewesen sei.
Wie reagiert Barbados auf die Haltung der britischen Regierung?
Barbados‘ Premierministerin Mia Amor Mottley begrüsst die Bereitschaft Grossbritanniens zum Dialog über die Sklaverei. Gleichzeitig hält sie an den Forderungen der karibischen Staatengemeinschaft CARICOM nach Wiedergutmachung fest und setzt auf Fortschritte bei Bildung, Gesundheit und fairen Schuldenregelungen.
Im jahrzehntelangen Streit über den Umgang Grossbritanniens mit seiner Rolle im Sklavenhandel ist Premierminister Andy Burnham offen für eine offizielle Entschuldigung. Reparationszahlungen schliesst der Regierungschef aber wie seine Vorgängerinnen und Vorgänger aus. «Wir waren weltweit führend bei der Abschaffung der Sklaverei – und wir können heute wieder Führungsstärke zeigen», schrieb Burnham in der Zeitung «The Guardian».
Der Premierminister nimmt in der kommenden Woche am Treffen der Regierungschefs der Commonwealth-Nationen in der Karibik teil. Das heikle Thema der Sklaverei während der britischen Kolonialzeit war zuletzt durch die Reise von König Charles III. in die Karibik wieder aufgekommen. Mehrere karibische Staaten fordern, dass sich die Briten für ihre Rolle beim gewinnbringenden Verkauf versklavter Menschen entschuldigen und Reparationen leisten (ref.ch berichtete).
«Ja, aber» aus London
«Ich möchte mein Beileid und Bedauern über den Schmerz und das Leid so vieler Millionen zum Ausdruck bringen und anerkennen, wie dies unsere Welt bis heute prägt», schrieb Burnham. Die britische Regierung biete einen strukturierten Dialog mit allen Betroffenen an. «Das Anhören von Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung im Namen des britischen Staates wird einen wichtigen Teil dieses Prozesses ausmachen, und ich bin dafür offen.»
Er schrieb allerdings auch, dass Entschädigungen nicht die «richtige Antwort» seien. Er fügte hinzu: «Ich glaube nicht, dass die Briten von heute für historische Ungerechtigkeiten haftbar gemacht werden können, so abscheulich diese auch sein mögen.» Der Sklavenhandel sei «in einer anderen Zeit unter anderen Gesetzen» betrieben worden. Die Menschen im heutigen Grossbritannien seien daran «persönlich nicht beteiligt» gewesen.
Besonders im 18. Jahrhundert war Grossbritannien eine führende Sklavenhandelsmacht. Im Rahmen des transatlantischen Menschenhandels wurden Schätzungen zufolge rund drei Millionen Menschen aus Afrika von englischen Schiffen in die Karibik sowie nach Nord- und Südamerika transportiert.
Barbados offen für Dialog
Die Regierungschefin von Barbados, Mia Amor Mottley, begrüsste die Aussagen des britischen Premiers. Barbados bekenne sich zu diesem Dialog und werde in gutem Glauben daran teilnehmen, schrieb sie in einer auf der Plattform X verbreiteten Stellungnahme.
Barbados welcomes the UK Prime Minister’s acknowledgement of the brutality of the transatlantic slave trade, his openness to a formal apology and his offer of structured dialogue. We will engage in good faith as a member of CARICOM, while speaking plainly and respectfully about our differences on reparations. Those differences should not prevent progress on health, education, tackling poverty and inequality, and fairer debt terms for vulnerable states. The CARICOM Ten Point Plan remains our guide as we build on common ground and continue the pursuit of reparatory justice. We cannot reach our destination if we do not start the journey. Read my full statement.
— Mia Amor Mottley (@miaamormottley) October 30, 2026
Mottley bekräftigte aber auch, dass die Ansichten beim Thema Reparationen auseinandergingen. «Wir sollten auf dieser gemeinsamen Grundlage aufbauen, während wir weiterhin über unsere Unterschiede sprechen», schrieb sie. (sda/ dst)