Pfarrerinnen lancieren grössten Onlinegottesdienst der Schweiz

Mirja Zimmermann-Oswald und Priscilla Schwendimann zeigen am Pfingstsonntag einen Onlinegottesdienst, an dem über 90 Personen mitwirken. Das Gemeinschaftsprojekt soll die Vielfalt der reformierten Kirche zeigen. Auch in ihrer unterschiedlichen Frömmigkeit.

Welches Potenzial hat der digitale Raum für die reformierte Kirche? Diese Frage liess die beiden Pfarrerinnen Mirja Zimmermann-Oswald und Priscilla Schwendimann seit Beginn der Corona-Krise nicht mehr los. Klar, viele Kirchgemeinden setzten in den vergangenen Wochen aufgrund des Gottesdienstverbotes auf digitale Übertragung. Doch blieb es in den meisten Fällen beim Abfilmen der eigenen Predigt im immergleichen Kirchenraum. Kann das wirklich alles sein?, fragten sich Schwendimann und Zimmermann-Oswald. Können Onlinetools nicht auch noch kreativer eingesetzt werden? Deshalb lancierten sie für den Pfingstsonntag einen Gottesdienst, der weder Sprach- noch Landes- und Theologiegrenzen kennt.

Angefangen hat alles mit einem Aufruf in den sozialen Medien. «Es war eine Idee, die schon lange in meinem Kopf umherschwirrte», sagt Mirja Zimmermann-Oswald. «Im digitalen Raum gibt es beim Ausleben der eigenen Ideen kaum Grenzen. Das fand ich in Bezug auf den Gottesdienst spannend.» Also suchte sie Interessierte, die bei einem gemeinsamen Gottesdienstprojekt mitmachen.

Als Priscilla Schwendimann diesen Aufruf sah, war sie gleich begeistert, wie sie sagt. Zuvor hatte sie ein Video von «UK Blessing» gesehen, in dem Dutzende Menschen online ein Kirchenlied singen. «Das konnte ich mir in ähnlicher Form auch für die Schweiz vorstellen.» Gemeinsam gingen die beiden Pfarrerinnen das Projekt an.

Über 90 Beteiligte

Herausgekommen ist ein Video, in dem über 90 Personen mitmachen. Zuerst wurden ein Konzept und ein grober Ablauf für den Gottesdienst erstellt. Die einzelnen Teile wurden dann frei von den Mitmachenden gestaltet; so begleiten zum Beispiel mehrere Organisten den Gottesdienst. «Das war schon ziemlich viel Koordination», sagt Zimmermann-Oswald. Auch die Technik sei für manche eine Hürde gewesen, die Tonqualität mussten sie beispielsweise im Nachhinein noch aufbessern.

Mit dabei sind Kinder, Pensionierte, Chorleiterinnen, Kirchenmusiker oder Pfarrerinnen und Pfarrer. Sogar die Predigt wurde zu dritt geschrieben: von Heiner Schubert, Pfarrer und Leiter der Don Camillo Communität, Theologin Katharina Merian, Assistentin und Doktorandin an der Theologischen Fakultät der Uni Basel und Andreas Bossard, Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde Bubikon im Kanton Zürich. Sie wurden von Zimmermann-Oswald und Schwendimann deshalb ausgesucht, weil sie «in ihrer Frömmigkeit sehr unterschiedlich sind und deshalb die theologischen Unterschiede in der reformierten Kirche zeigen», sagt Zimmermann-Oswald.

Gehalten wird die Predigt von zehn Personen in allen Landessprachen der Schweiz. Gar noch mehr Gläubige hätten sich an Unser Vater und Abendmahl beteiligt, das von insgesamt über 80 Personen vorgetragen und abgehalten wird.

Gemeinsames Abendmahl

Mit dem Ergebnis sind die beiden Pfarrerinnen zufrieden. «Das ist für mich Pfingsten. Wir kommen zusammen, so unterschiedlich wie wir sind», sagt Schwendimann. Dafür brauche es kein perfektes Video, bei dem jeder Schnitt sitzt. «Es ist ein Experiment und so soll es auch rüberkommen.» Mirja Zimmermann-Oswald ist gespannt, wie die Zuschauerinnen und Zuschauer auf das Video reagieren werden.

Die Menschen zu Hause seien eingeladen Brot, Wein oder Traubensaft parat zu legen und dann gemeinsam mit jenen im Video Abendmahl zu feiern. So entstehe eine Gemeinschaft, die im echten Leben in keine Kirche passen würde.

Das Video wird am Pfingstsonntag auf der Website der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) zu sehen sein.