Er schickt Bach in den Kampf gegen Covid-19

Jeden Mittwoch lässt der Organist Elie Jolliet die Musik von Johann Sebastian Bach gegen das Corona-Virus antreten. «JSB_1685 vs. Covid-19 – Das grosse Duell» nennt er sein Livekonzert, das dank Streaming in die ganze Welt verbreitet wird.

Herr Jolliet, wie kamen Sie auf die Idee, mit der Musik von Johann Sebastian Bach gegen das Coronavirus anzuspielen?
Nach Beginn des Lockdowns hatte ich einen grossen Motivationssturz. Ich musste mir überlegen, wie ich trotz Veranstaltungsverbot mit meiner Musik am Ball bleiben kann. Ich merkte, dass auch andere Menschen ziemlich niedergeschlagen sind. Insbesondere viele Musikerinnen und Musiker, die grosse Existenzsorgen haben. Deshalb habe ich mich entschieden, mithilfe von Bach gegen die Hoffnungslosigkeit anzuspielen.

Seit vier Wochen hauen Sie jeden Mittwoch um 20.05 Uhr in der reformierten Kirche in Köniz in die Tasten. Sie nennen die Konzertreihe «JSB_1685 vs. Covid-19 – Das grosse Duell».  Wie viel Augenzwinkern steckt hinter der Aktion?
Ich versuche immer, den Humor nicht zu verlieren. Natürlich ist die Sache ernst, aber es tut auch gut, darüber lachen zu können. Ich habe die Uhrzeit so gewählt, dass die Zuhörer nach den Corona-News in der «Tagesschau» mit Bach etwas abschalten können.

Und warum ausgerechnet Bach ?
Zum einen ist er ein Schwerpunkt meines Repertoires. Zum anderen haben wir in Köniz eine der bedeutendsten historischen Orgeln in der Region, auf der sich Bach vorzüglich spielen lässt. Ausserdem hat Bachs Musik eine 300-jährige Tradition. Diese während des Spiels im Rücken zu spüren, gibt nicht nur mir, sondern sicher auch den Zuhörerinnen Kraft.

Mit welcher Taktik tritt Bach gegen Covid an?
Bei längeren Passagen mit Ausdauer, aber auch mit viel Tempo und Überraschung. Und er kann Covid-19 sicher auch mit seinem Intellekt besiegen.

Stellen Sie sich das Duell zwischen Bach und Covid während des Spielens visuell vor?
Das kommt vor. Zuletzt sah ich in meinem Kopf Bilder, die an die Apokalypse erinnern, wie sie im Berner Münster dargestellt wird. Ungetüme mit schrägen Köpfen kamen darin vor, die sich mit Schwertern und Haken malträtieren.

Was möchten Sie den Menschen mit der Musik vermitteln?
Dass das Leben weitergeht. Sie sollen von der Musik getragen werden, sie emotional wahrnehmen. Einigen werden die Wochen und Monate, in der wir in der Corona-Krise stecken, lang vorkommen. Aber im Gegensatz zu den 300 Jahren, in denen es Bach nun schon gibt, ist es eine sehr kurze Zeit. Bachs Musik hat schon so manche Seuche überstanden. Diese Tradition soll Stabilität ausstrahlen und den Menschen Sicherheit geben.

Sie übertragen die Konzerte mit einem Livestream auf Internetplattformen wie Youtube und Instagram. Wer hört Ihnen dort zu?
Viele Mitglieder der Gemeinde. Manche von ihnen haben extra einen Instagram-Account eröffnet, um meine Musik hören zu können. Schön finde ich, dass offenbar auch Menschen in Kanada, den USA oder gar Usbekistan die Konzerte mitverfolgen.

Wie lange werden Sie die Konzertreihe fortführen?
Ich habe mal gesagt, dass ich so lange spielen werde, bis Covid-19 besiegt ist. Vielleicht war ich etwas überambitioniert. Aber schlimmstenfalls habe ich dann einfach das ganze Orgelwerk von Bach durchgespielt. Stücke von ihm, um in die Schlacht zu ziehen, gibt es ja zum Glück genug. (bat)

Zur PersonElie Jolliet (25) arbeitet als Kirchenmusiker im Kirchenkreis Mitte der reformierten Kirchgemeinde Köniz im Kanton Bern. Neben seiner Tätigkeit als Kirchenmusiker arbeitet er freiberuflich als Organist, Cembalist und Chorleiter. Gegenwärtig forscht er im Rahmen seiner Dissertation zu Berner Gesangbüchern im 17. bis 19. Jahrhundert.

Livestream: Die Konzerte können auf Instagram (@e.jolliet) und auf Youtube (@ElieJolliet) angeschaut werden. Sie starten jeden Mittwoch um 20.05 Uhr. Alternativ können die Stücke auch auf der Seite der Kirchenmusik Köniz-Mitte oder auf der Website des Künstlers im Programm ausgewählt werden.