Ostersonntag

In Krisenzeiten guter Dinge bleiben

In Zeiten grosser humanitärer Krisen die Hoffnung nicht zu verlieren, kann schwer fallen. Vorsitzende kirchlicher Vereinigungen erinnern daran, woran wir uns zu Ostern halten können.

An Ostern soll Hoffnung aufkommen: Das Bild zeigt einen Osterbaum in der Berner Heiliggeistkirche (Archivbild: Anthony Anex/ Keystone)

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) und der Lutherische Weltbund haben in ihren Osterbotschaften die Menschen zu Hoffnung in Krisenzeiten aufgerufen. Gott sei in allen Dingen, durch alle Dinge und jederzeit bei den Menschen, erklärte der Generalsekretär des ÖRK, Jerry Pillay. Die Menschen sollten sich für Gerechtigkeit, Frieden, Versöhnung und die Einheit Gottes einsetzen und damit eine bessere Welt schaffen. Viele Menschen fühlten sich in der Welt von heute verlassen und verzweifelt.

Pillay: Gott macht alle Dinge neu

Pillay erinnerte an Flüchtlinge, misshandelte Frauen und Kinder, indigene Völker, Menschen mit Behinderungen und Unterdrückte. Ihre Not und ihr Leid seien so unerträglich, dass sie häufig das Gefühl hätten, dass die Regierungen, ihre Freundinnen und Freunde, ihre Familien und selbst Gott sie verlassen hätten. Jesus aber sei von den Toten wiederauferstanden, schrieb Pillay. 

Der ÖRK mit der Zentrale in Genf umfasst 352 Kirchen. Zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen sowie vereinigte und unabhängige Kirchen. Sie repräsentieren mehr als 580 Millionen Gläubige. Die katholische Kirche ist kein Mitglied. 

«Wenn wir also angesichts all der Zerrissenheit, all des Schmerzes, des Leids, der Kriege und des Todes versucht sind, zu fragen, warum Gott uns verlassen hat, sollten wir innehalten und beruhigt sein, dass der Vater in Christus alle Dinge neu macht.»

EKD-Vorsitzende Kurschus: Verteidigung und Friedensverhandlungen müssen möglich sein

Derweil hat sich Annette Kurschus, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), geweigert, die Hoffnung auf Gespräche für ein Ende des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine aufzugeben. In jedem Augenblick könne es Menschen geben, die sich begegneten und den Weg zu einem Waffenstillstand und dann zu echten Friedensverhandlungen bahnten, sagte die Theologin im «Interview der Woche» im Deutschlandfunk. 

Sie forderte, nicht in den Mustern von «Entweder-oder» sowie «Richtig» und «Falsch» zu denken. Im Moment brauche es beides: «eine starke Möglichkeit der Ukraine, sich zu verteidigen, und jederzeit das Bemühen, ins Gespräch zu kommen und die Waffen zum Schweigen zu bringen», sagte sie.

Auch vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs könne Ostern gefeiert werden. «Erst recht und gerade jetzt», sagte Kurschus, weil Ostern «ein Fest des Widerstands mitten im Tod und mitten im Elend» sei. Ostern sei in christlicher Sicht das «Fest des Lebens». Gott stehe «an der Seite derer, die sich für das Leben einsetzen, und er überwindet alle Kräfte, die über Leichen gehen und die an den eigenen Machtgelüsten ihre Taten ausrichten.» Aus dieser Osterbotschaft resultiere die Verantwortung, «zu Protestleuten gegen den Tod» zu werden.

Auch Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), erinnerte daran, dass das Leben den Tod überwinde. «In Zeiten wie diesen, mit ihren sich überlagernden Krisen, steht die österliche Botschaft wie ein Fels in der Brandung und gibt unserer Hoffnung Halt. So gestärkt setzen wir uns für Frieden und Versöhnung ein», schrieb die EKS-Präsidentin im EKS-Newsletter. (epd/ jow)