ÖRK

Weltökumene-Gipfel in Karlsruhe beendet

Der Weltkirchenrat hat zum Ende seiner Ökumenetagung in Karlsruhe den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilt. In Bezug auf den Nahost-Konflikt einigten sich die Delegierten auf einen Kompromiss.

Mit einem Appell zur «Heilung des Planeten» ist am Donnerstag der internationale Ökumene-Gipfel des Weltkirchenrates in Karlsruhe zu Ende gegangen. In der Abschlussbotschaft wurde zum gemeinsamen Handeln von Kirchen- und Staatengemeinschaft gegen Krieg, vermeidbare Krankheiten, Klimawandel und Hunger aufgerufen.

Ein zentrales Thema der Tagung war der Ukraine-Konflikt. Zum Abschluss verurteilten die Delegierten den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine scharf. Krieg sei mit dem Wesen Gottes unvereinbar. Jeder Missbrauch religiöser Sprache und Autorität zur Rechtfertigung von bewaffneter Aggression und Hass sei abzulehnen: «Wir appellieren an alle Konfliktparteien, die Grundsätze des humanitären Völkerrechts zu respektieren». Die Zivilbevölkerung müsse geschützt, Kriegsgefangene human behandelt werden.

Uneinigkeit bei «Apartheid»

Der Weltkirchenrat rief zum Abschluss zu einem gerechten Frieden im Nahen Osten auf: «Wir sind der Meinung, dass nur durch ein Ende der Besatzung und eine gerechte, umfassende und dauerhafte Friedensregelung die Sicherheit sowohl der Palästinenser als auch der Israelis gewährleistet werden kann», heisst es in einer verabschiedeten Erklärung.

Uneinig sind die 352 Mitgliedskirchen allerdings bei dem Begriff «Apartheid», der in der Erklärung enthalten ist. Dennoch erklärt der Weltkirchenrat Israel nicht zum Apartheidstaat. Davor hatten vor der Tagung vor allem Antisemitismus-Beauftragte und jüdisch-christliche Verbände gewarnt.

Während einige Kirchen und Delegierte nachdrücklich die Verwendung dieses Begriffs unterstützten, da er die «Realität der Menschen in Palästina/Israel und die völkerrechtliche Lage zutreffend beschreibt», hielten ihn andere für «unangemessen, wenig hilfreich und schmerzhaft».

Menschenrecht auf gesunde Umwelt

Zum Klimawandel hiess es, Politik und Gesellschaft müssten dem Klimanotstand in Wort und Tat Priorität einräumen. Zudem sei eine grössere Solidarität und Gerechtigkeit mit denjenigen Menschen nötig, die am stärksten unter der Klimazerstörung leiden. «Wir müssen von unserem fortgesetzten menschlichen Egoismus umkehren», heisst es in einer Erklärung.

In der Erklärung wird von Politik und Gesellschaft ein schnellerer Übergang zu erneuerbaren Energiequellen gefordert, eine Reduzierung der Emissionen, der Schutz der Ökosysteme sowie das «Menschenrecht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt». Besonders indigene Völker seien mit den direkten Folgen des Klimawandels konfrontiert.

580 Millionen Christen repräsentiert

Die elfte Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) endete am Nachmittag. Auf der neuntägigen Versammlung trafen sich die Delegierten und mehr als 2000 weitere Teilnehmer aus allen Regionen der Welt zum Thema «Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt». Der Weltkirchenrat repräsentiert rund 580 Millionen Christen, die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied. (epd/mos)