Corona-Pandemie

Offene Briefe an den Bundesrat

Gleich zwei Offene Briefe zum Umgang mit der Corona-Pandemie sind in diesen Tagen beim Bundesrat eingetroffen. Kulturschaffende und die Initianten der Corona-Mahnwache fordern darin strengere Massnahmen, um die Menschen besser zu schützen.

Die Autorin Melinda Nadj Abonji hat einen Offenen Brief an den Bundesrat lanciert. Unterzeichnet haben ihn unter anderem die Schriftstellerin Ruth Schweikert, die Autoren Lukas Bärfuss, Adolf Muschg und Jonas Lüscher oder die Filmemacherin Bettina Oberli. Sie protestieren in ihrem Brief gegen die «unmenschliche Politik» gewisser Kantone und der rechtsbürgerlichen Parteien. Diese würden «aus sogenannten wirtschaftlichen Gründen effektive Schutzmassnahmen bekämpfen».

Die Schweiz habe eine der höchsten Sterblichkeitsraten und weiterhin die lockersten Massnahmen. Der Schutz der Bevölkerung sei dabei nicht das oberste Prinzip, vielmehr würden offenbar Todesopfer «kaltschnäuzig» einkalkuliert. Es entstehe der Eindruck, das Leben älterer Menschen sei weniger schützenswert als das Leben der jüngeren. Das sei nicht vereinbar mit der Bundesverfassung, in der steht: «Gewiss, dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen».

Respekt und Aufmerksamkeit für die Toten

Die Unterzeichnenden fordern deshalb einen sofortigen Richtungswechsel. So sollen die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verstärkt werden. Dabei müssten die politischen Entscheidungsträger auf Wissenschaftler hören und nicht auf Lobbyisten und Wirtschaftsverbände. Ausserdem müsse das Gesundheitspersonal unterstützt werden, personell wie finanziell. Weiter fordern die Kulturschaffenden mehr Respekt und Aufmerksamkeit für die Todesopfer und mehr Anteilnahme für die Hinterbliebenen.

Ähnliches fordern auch die Initianten der Corona-Mahnwache in Bern und Zürich. Sie bitten den Bundesrat, zu zeigen, dass er um die Menschen traure, die während der Pandemie gestorben sind. Ausserdem müsse die Gesundheit der Menschen wieder das oberste Ziel sein, damit die Schweiz möglichst viele Leben retten könne.

«Bundesrat in der Verantwortung»

Auch dieser Offene Brief fordert einen Kurswechsel, damit die Fallzahlen sinken. Dies sei auch für die Wirtschaft kein Nachteil. Allerdings mache es keinen Sinn, wenn jeder Kanton selber entscheide. Nun müsse der Bundesrat seine Verantwortung wahrnehmen, so die Initianten der Mahnwache. (mos)