Pandemie

EKS beleuchtet Triage aus ethischer Perspektive

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) hat zehn Fragen und Antworten zur Triage in Zeiten der Pandemie zusammengestellt. Darin empfiehlt sie unter anderem das Abfassen von Patientenverfügungen – knüpft dies jedoch an Bedingungen.

Wer erhält noch eine Behandlung, wenn die Ressourcen in den Spitälern knapp werden? Hat diese Frage früher höchstens Notfallmediziner umgetrieben, rückt sie in der Corona-Pandemie plötzlich ins Bewusstsein der Gesamtgesellschaft. So wurden etwa die Richtlinien der Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) Anfang Monat breit debattiert – und wegen der Empfehlung in Bezug auf ältere Covid-Patienten auch heftig kritisiert.

Nun hat sich die Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) ebenfalls Gedanken zum Thema gemacht. In ihrem Papier «Aus Unglück darf nicht Ungerechtigkeit werden» stellt sie zehn Fragen und Antworten zur Triage aus ethischer Sicht zusammen. Dabei sei es weniger die Entscheidung über Leben und Tod an sich, welche die Triage zur ethischen Herausforderung mache. Vielmehr sei es die Tatsache, dass nicht mehr die Patientin selbst diese Entscheidung treffe, sondern eben das medizinische Personal. Dabei werde mit grundlegenden bioethischen Prinzipien wie etwa dem Respekt vor der Autonomie gebrochen, heisst es in dem Papier.

Ethische Dilemmata

Im ersten Teil des Dokuments widmet sich die EKS der Definition von Triage sowie den Dilemmata, die sich in den entsprechenden Situationen ergeben. Hier werden vor allem Fragen aufgeworfen: «Die 25-jährige Sportlerin ist schneller als der 85-jährige Mann im Rollstuhl, aber im Blick auf die Würde hat sie keinen Vorsprung», beginnt eine davon. Und weiter: «Wenn die Menschenwürde alle Bewertungen und Personenvergleiche stoppt, wie können Triage-Entscheidungen über Leben und Tod zwischen Patientinnen und Patienten getroffen werden?»

Im zweiten Teil wird dann schliesslich ein Vorschlag für einen fairen Umgang mit der medizinischen Ressourcenknappheit skizziert. Zentral dabei ist, dass der Entscheid über die Triage an die möglichen Betroffen zurückgegeben wird. Jede Person solle für sich die Frage klären, ob sie in einem solchen Fall intensivmedizinische Behandlung wünscht oder darauf verzichtet, heisst es in der Mitteilung zum Papier. Der Entscheid solle dokumentiert, sprich in einer Patientenverfügung niedergeschrieben werden.

Frei und ohne Druck

Allerdings knüpft die EKS diese Empfehlung an Bedingungen. So müsse der Entscheid der Person absolut freiwillig und ohne jeden Druck von ausserhalb erfolgen: «Keine Solidaritätspflicht darf verlangen, das eigene Leben für andere zu opfern.» Zudem betont die EKS die Wichtigkeit einer hochstehenden Palliativversorgung für alle Betroffenen. Gleichzeitig sei die Gesellschaft dazu verpflichtet, diese Personen vor den Gefahren einer Ansteckung zu schützen. «Die Solidarität des Verzichts durch die einen, verlangt die Solidarität des Schutzes durch die anderen», heisst es in der Mitteilung zum Papier. (vbu)