Antisemitismus
Morddrohung gegen Charlotte Knobloch
Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, soll von einem Unbekannten mit dem Tod bedroht worden sein. Auf einer Parkbank und einem Mülleimer im Englischen Garten in München sei mit weisser Schrift eine «persönliche Drohung gegen ein Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde» angebracht worden, teilte das Polizeipräsidium München mit.
Nach übereinstimmenden Medienberichten richtet sich die Drohung gegen die Präsidentin der Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch (93).
Laut der «Abendzeitung München» schrieb der Verfasser den Satz: «Die AfD hat gewonnen, morgen hängen wir die Knobloch.» Die Drohung steht also offenbar im Zusammenhang mit dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt vor einer Woche.
Die Holocaust-Überlebende hatte sich noch am Wahlabend mit deutlichen Worten zur AfD und ihrer Wählerschaft positioniert: «An Tagen wie diesem fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen. Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können», sagte Knobloch. Nach der Morddrohung sagte sie laut Medienberichten eine kurz bevorstehende Veranstaltung aus Sicherheitsgründen ab. Der Staatsschutz ermittelt.
Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) hat die Morddrohung scharf verurteilt. «Damit ist jede Grenze überschritten», erklärte Spaenle in München. Deutschland stehe an einem Scheideweg.
Spaenle betonte die historische Bedeutung der 93-jährigen Holocaust-Überlebenden und früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland: Eine Persönlichkeit zu bedrohen, die dem Land nach der Schoah wieder eine Tür zur zivilisierten Welt geöffnet habe, verletze die Grundwerte des Zusammenlebens. Die gesamte Zivilgesellschaft sowie staatliche Einrichtungen seien nun gefordert, Humanität, Demokratie und Rechtsstaat aktiv zu verteidigen. (epd/ gab)