Mittelmeer

Rettungsschiff «Humanity 1» erneut festgesetzt und gebüsst

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten ist ein Rettungsschiff sanktioniert worden. Italienische Behörden setzten es für 60 Tage auf Sizilien fest und verhängten eine Geldstrafe von 10’000 Euro, teilte die Trägerorganisation mit.

Italienische Behörden haben das Seenotrettungsschiff «Humanity 1» der deutschen Hilfsorganisation SOS Humanity erneut festgesetzt. Diesmal für 60 statt 20 Tage. Wie die Organisation mitteilte, verhängten die Behörden ausserdem eine Geldstrafe von 10'000 Euro gegen sie.

Die zuständigen staatlichen Stellen in Italien hätten die Sanktionen angeordnet, weil die «Humanity 1» die Kommunikation mit der libyschen Rettungsleitstelle verweigert habe. Hintergrund sind andauernde Menschenrechtsverletzungen der libyschen Küstenwache. Im August 2025 war zudem das Rettungsschiff «Ocean Viking» nach Angaben der Betreiberorganisation SOS Méditerranée von der libyschen Küstenwache gezielt beschossen und beschädigt worden.

Die «Justice Fleet», ein noch junges Bündnis mehrerer Seenotrettungsorganisationen, dem auch SOS Humanity angehört, hatte deshalb im November angekündigt, die Einsatzkommunikation mit den Libyern zu beenden. Im Dezember 2025 wurde die «Humanity 1» erstmals von den italienischen Behörden festgesetzt (ref.ch berichtete). Ein anderes Schiff der «Justice Fleet», die «Sea-Watch 5», sei aus denselben Gründen im Januar ebenfalls festgesetzt worden.

Unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat Italien das Vorgehen gegen private Seenotrettungsorganisationen im Mittelmeer deutlich verschärft. SOS Humanity verwies auf Pläne der Regierung Meloni, Such- und Rettungseinsätze im Mittelmeer weiter zu erschweren: Sie wolle die Schiffe gesetzlich bis zu sechs Monate daran hindern, in italienische Hoheitsgewässer einzufahren, sofern ein «Sicherheitsrisiko» bestehe.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Seit Beginn des Jahres sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits mehr als 530 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. (epd/ gab)

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