Landeskirchen Aargau und Neuenburg haben zu viel bezahlt
Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) bekommt Geld von ihren Mitgliedskirchen. Die Mitgliederbeiträge belaufen sich 2024 auf exakt 5'922'457 Franken, so ist es im Voranschlag 2025 der EKS ausgewiesen.
Doch der Schlüssel zur Erhebung der Beiträge soll falsch berechnet worden sein. Das besagt eine Motion des Kirchenratspräsidenten der reformierten Aargauer Landeskirche, Christoph Weber-Berg. Er fordert in seinem Antrag zuhanden der EKS-Synode, dass die Berechnung der Beiträge einfacher, transparenter und besser nachvollziehbar geschehen soll. Und: Die bestehenden Korrekturfaktoren sollen die finanzielle Entwicklung der Mitgliedskirchen abbilden.
Laut Motionstext sei das für die Aargauer Landeskirche nicht geschehen. Wegen schwindender Mitgliederzahlen hätten Kirchgemeinden die Steuern erhöht. Zwar hat die Landeskirche dadurch keine Mehreinnahmen gemacht, aber wegen der höheren Steuern sei der Korrekturfaktor «Einnahmen der Kirchen pro Mitglied» gewachsen. Unter dem Strich müsse die Aargauer Landeskirche deshalb mehr Geld an die EKS abliefern – laut Motionstext betrage der Aufschlag mehrere zehntausend Franken.
Der EKS-Rat hat nun bereits vor der Synode auf die Motion aus dem Aargau reagiert: Im Begleittext zum Voranschlag 2025 widmet er bei den Erläuterungen zur Betriebsrechnung den ersten Punkt diesem Thema. Der Rat räumt einen Fehler bei der Berechnungsgrundlage ein. Für die Voranschläge 2023 und 2024 habe man die Anzahl Reformierter über dem 15. Altersjahr verwendet anstelle der reformierten Einwohnerinnen und Einwohner ohne Alterslimite.
Beiträge manuell korrigiert
Für die Aargauer Landeskirche heisst das, dass der EKS-Rat den Ressourcenindex und damit den Mitgliederbeitrag «manuell nach unten korrigiert» hat: Sie wird 2025 mehrere zehntausend Franken weniger bezahlen als befürchtet. Von einer Korrektur im Bereich der Wohnbevölkerung profitiert auch die Neuenburger Landeskirche. Die Aargauer sollen rund zehn Prozent und die Neuenburger rund 12 Prozent weniger bezahlen als ursprünglich vorgesehen.
Die Reduktionen der Mitgliederbeiträge für Aargau und Neuenburg bleiben nicht ohne Folgen: «Demgegenüber steigen die anderen Beiträge um 0,9 Prozent», schreibt der EKS-Rat in ihrem Voranschlag 2025. Eine Ausnahme ist die Reformierte Kirche Basel-Stadt: Weil sie keine Kirchensteuern von juristischen Personen erhält, hat sie mit der EKS schon seit längerem eine individuelle Lösung ausgehandelt.
Der EKS-Rat kündigt im gleichen Zug an, eine Arbeitsgruppe einsetzen zu wollen, die den Beitragsschlüssel überprüfen oder neu ausarbeiten soll. Die neue Berechnungsgrundlage werde jedoch erst für den Voranschlag 2027 zu Verfügung stehen.