Streit um Kunstwerk
Kirchgemeinde Allschwil hat zehn Jungfrauen zu viel
Vor dem Calvinhaus in Allschwil BL steht ein Kunstwerk, das vor sechzig Jahren für diesen Ort geschaffen wurde. Die lokale Künstlergrösse Peter Moilliet schuf aus Kalkstein und Bronze eine Skulptur, die um eine Ecke des Kirchgemeindehauses geht. Ihr Titel: «Die zehn Mädchen». Das Motiv: Fünf junge Frauen sitzen an einem Tisch, an dessen Stirnseite ein Mann mit Bart sitzt. Vor der Türe warten nochmals fünf junge Frauen.
«Ein älterer Herr mit jungen Meitli», sagt Allschwils Kirchgemeindepräsident Roland Naef zur «bz Basel», «das ist nicht mehr das, was zu unserer Gemeinde passt.» Das Kunstwerk müsse man zwar erhalten, aber Naef wünscht sich, dass es «möglichst weit weg» aufgestellt wird.
Denn am jetzigen Ort wird es ohnehin nicht bleiben können: Das Kirchgemeindehaus soll abgerissen werden. An seiner Stelle baut die Kirchgemeinde 30 Wohnungen. Wegen dieses Projektes hat die Diskussion über «Die zehn Mädchen» überhaupt erst begonnen.
An der letzten Kirchgemeindeversammlung, berichtet die «bz Basel», habe Pfarrer Claude Bitterli erklärt, die Skulptur entspreche theologisch nicht mehr dem Zeitgeist. Das Motiv bezieht sich auf das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen aus dem Markusevangelium. Es sei im Mittelalter sehr populär gewesen, auch am Basler Münster befinde sich eine Darstellung davon.
Kurz zusammengefasst warten zehn Jungfrauen auf ihren Bräutigam, ohne zu wissen, wann er eintrifft. Deshalb hat jede eine Öllampe bei sich – falls die Nacht hereinbricht. Doch nur die «klugen» fünf Jungfrauen haben Öl zum Nachfüllen dabei. Als der Bräutigam endlich eintrifft – im Dunkeln – ist das Öl der «törichten» Frauen aufgebraucht. Sie können erst später zur Hochzeit aufbrechen und stehen dort vor verschlossenen Türen. Eine Deutung versteht die Frauen als die Gläubigen, den Bräutigam als Jesus und die Hochzeit als Übergang ins Reich Gottes.
In der Adaption Moilliets sitzen die fünf «klugen» Frauen mit Jesus am Tisch und halten statt Öllampen Weingläser in der Hand. An der Kirchgemeindeversammlung wurde vorgeschlagen, eine Infotafel an der Skulptur anzubringen, anstatt sie loszuwerden. Die politische Gemeinde Allschwil spricht sich dafür aus, dass die Skulptur im Ort bleibt. Am Ende bliebe die Möglichkeit, «Die zehn Jungfrauen» an die Fondation Moilliet zu übergeben. Sie kümmert sich um Erhalt und Dokumentation des Werks des Künstlers. (dst)