Corona-Pandemie

Besucher kehren in Kirchen zurück

In Gottesdiensten trägt kaum mehr jemand eine Maske. Die Pfarrschaft ist dennoch vorsichtig, Hände werden zurückhaltend geschüttelt. Darüberhinaus hat die Pandemie die Digitalisierung vorangetrieben.

Seit dem 16. Februar müssen in Schweizer Kirchen keine Zertifikate mehr gezeigt werden – alle sind willkommen. (Symbolbild: Keystone/DPA/Philipp Schulze)

In den Läden und im öffentlichen Verkehr lässt kaum noch etwas darauf schliessen, dass es die Corona-Pandemie noch gibt. Die Gesichter sind überwiegend maskenlos, der Desinfektionsständer oft vereinsamt. Auch in den Kirchen ist man nach dem Ende der Massnahmen vom 1. April grossmehrheitlich zur sogenannten «Normalität» zurückgekehrt. «Grundsätzlich spüren wir eine grosse Erleichterung, dass die Masken- und Zertifikatspflicht aufgehoben ist», sagt Beat Allemand, Pfarrer am Berner Münster. Es gebe nur wenige Menschen, die vorsichtig seien und die Maske trügen. «Am vergangenen Wochenende ist mir aufgefallen, dass keine einzige Person die Maske trug. Es waren immerhin 130 Leute im Gottesdienst», sagt er.

Vorsichtiger sei man hingegen seitens der Pfarrschaft. Beim Ostergottesdienst etwa habe es das erste Mal seit dem Ausbruch der Pandemie wieder ein Abendmahl gegeben. «Mit dem Unterschied, dass das Brot vorgeschnitten war, damit wir es nicht anfassen mussten», sagt Allemand. Ausserdem habe man auf einen Gemeinschaftskelch verzichtet. Allemand selbst müsse sich wieder daran gewöhnen, den Menschen die Hände zu reichen. «Ich mache das spontan. Jenen, die ich kenne, halte ich die Hand hin, bei den anderen bin ich zurückhaltender.»

Allemand blickt auf eine schwierige Zeit zurück. Gerade als Zentrumskirche habe man nach der Einführung des Zertifikats immer wieder Leute abweisen müssen. «Die Menschen reagierten verständnisvoll, einzelne aber auch erbost.» Nun seien die meisten wieder zurückgekehrt – aber nicht alle. «Einige haben wohl eine Alternative zum Gottesdienst-Besuch am Sonntag gefunden, und sind bei dieser geblieben.»

Einbruch an Ostern

Freude darüber, endlich wieder uneingeschränkt feiern zu können, herrscht auch in der reformierten Kirchgemeinde Langnau am Albis im Kanton Zürich. «Die Menschen fallen sich beim Familiengottesdienst wieder um den Hals, wenn sie sich sehen», sagt Pfarrerin Nadja Papis-Wüest. Ältere Gemeindemitglieder hingegen seien nach wie vor etwas vorsichtiger. «Sie haben so lange zum Teil in Angst gelebt. Deshalb ist ihre Rückkehr noch zaghafter.» Mehr oder weniger vorsichtig seien die Menschen an Ostern gewesen. Dort hat es das erste Mal seit der Pandemie wieder einen Gemeinschaftskelch gegeben. «Mache tranken ohne Bedenken von ihm, anderen war das noch etwas zu früh.»

Ein durchzogenes Post-Massnahmen-Fazit zieht Martin Kuse, Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Holderbank-Möriken-Wildegg im Kanton Aargau. Die Frühfeier am Ostersonntag sei ganz schlecht besucht gewesen. «Es sind nur etwa ein Drittel der Menschen gekommen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie», sagt Kuse. Die Gründe dafür seien schwierig zu benennen. «Andere Gottesdienste sind so gut besucht wie vorher», sagt Kuse. Gerade für ältere Menschen, die sich gewohnt waren, auf die Kirche zu verzichten, sei es vielleicht noch zu früh, um zurückzukommen, mutmasst Kuse. Ansonsten würde kaum mehr jemand einen Mundschutz tragen. «Die Masken sind gefallen, ganz klar.» Das Thema Pandemie fühle sich für alle Beteiligten im Gottesdienst recht weit weg an.

Livestream soll bleiben

Während der Corona-Pandemie haben viele Kirchgemeinden angefangen, ihre Gottesdienste per Livestream zu übertragen, etwa auch die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Dübendorf-Schwerzenbach. Dabei soll es vorerst auch bleiben, sagt der reformierte Gemeindepfarrer Markus Haltiner. Übertragen würden nur noch die Impulsgottesdienste, die sechs bis sieben Mal im Jahr stattfinden. Im Unterschied zur Corona-Pandemie nun wieder mit Publikum vor Ort. «Das ist für die Anwesenden ungewohnt, da recht viel Video- und Beleuchtungsequipment im Gottesdienstraum steht.»

Ausschlaggebend, den Stream beizubehalten, sei gewesen, dass man für die Pandemie extra ein Video-Team aufgebaut habe. «Das war ein aufwändiger und herausfordernder Weg für uns alle, insbesondere für unser Sigristen-Team.» Man wolle diese Kompetenzen nun weiter nutzen, da man mit den Streams auch Menschen ausserhalb der Gemeinde erreiche. «So bleibt wenigstens noch etwas Gutes aus der schwierigen Corona-Zeit zurück.»