Solothurn

Kanton streicht Beitrag an Spitalseelsorge – jetzt fehlen 400’000 Franken

Der Kanton Solothurn will ab 2027 seinen Beitrag an die Spitalseelsorge streichen. Obwohl Kirchen und Spitäler mehr Geld beisteuern als bisher, bleibt ein grosses Loch. Nun haben die Kirchen eine Online-Petition lanciert, die vom Kanton fordert, die Unterstützung doch weiterzuführen.

Bislang hat der Kanton Solothurn die Spitalseelsorge jährlich mit 730'000 Franken unterstützt. Die Evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirche des Kantons Solothurn sowie die Christkatholiken leisten die Seelsorge.

Seit 1972 werden die Kosten von den Landeskirchen und dem Kanton gemeinsam anteilsmässig getragen. Bis anhin hätten die Kirchen 58 Prozent der Kosten beigesteuert und der Kanton 42 Prozent, heisst es in einer Mitteilung der Solothurnischen interkonfessionellen Konferenz (SIKO).

Doch der Kanton Solothurn hat finanzielle Sorgen. Er hat für das kommende Budget den Rotstift an vielen Posten angesetzt. Dass auch die insgesamt 730'000 Franken für die Spitalseelsorge weggespart werden könnten, hatte sich schon im Frühjahr angedeutet (ref.ch berichtete).

Deshalb haben die Kirchen ebenso wie die Solothurner Spitäler AG (SoH) finanzielle Anstrengungen unternommen und zusätzliche Beiträge von ihrer Seite realisiert. Die SoH leistet ab kommendem Jahr einen Anteil von 200'000 Franken, die Kirchen stocken ihren Beitrag um 120'000 Franken auf.

«Eine weitere Erhöhung ist den Kirchen nicht möglich», betont Evelyn Borer, SIKO-Mitglied und Solothurner Synodalratspräsidentin. Das bedeutet aber auch: Trotz des zusätzlichen Geldes würden rund 400'000 Franken fehlen, wenn der Kanton an seinem Spar-Entscheid festhält.

Die Konsequenz wäre laut SIKO: Ein Stellenabbau und eine Reduktion des Seelsorgeangebots. Heute arbeiten zehn Seelsorgende mit insgesamt 660 Stellenprozenten in drei Solothurner Spitälern und bei den Psychiatrischen Diensten.

Die Kirchen erklären, dass die Spitalseelsorge eine stetig steigende Nachfrage erlebe. Bei gleichbleibenden Stellenprozenten seien 2025 dreissig Prozent mehr Patientenkontakte erfolgt als noch 2022. «Wenn Krankheit, Unsicherheit oder Abschied das Leben bestimmen, geht es oft um mehr als Medizin», wird Spitalseelsorgerin Anne Barth-Gasser in der Mitteilung zitiert.

Evelyn Borer erklärt: «Der Kanton kann sich nicht aus einer Aufgabe zurückziehen, die er gemeinsam mit den Kirchen aufgebaut hat.» Ausserdem sei sie gesetzlich verankert. Deshalb haben die Kirchen eine Online-Petition lanciert. Diese fordert drei Dinge: Der Kanton soll auf die Streichung des Beitrags verzichten, sich weiterhin an der Finanzierung der Spitalseelsorge beteiligen und deren Angebot soll an allen Standorten in Umfang und Qualität erhalten werden.

Rund die Hälfte der angepeilten Anzahl Unterschriften ist aktuell erreicht. Die Frist läuft noch mehrere Wochen. (dst)

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