Appenzell-Ausserrhoden

Spitalseelsorge verliert kantonale Gelder doch nicht

Der Regierungsrat von Appenzell-Ausserrhoden wollte den kantonalen Beitrag an die Spitalseelsorge für 2026 streichen. Der Kantonsrat widersetzte sich dem. Kirchenratspräsidentin Martina Tapernoux zeigt sich «extrem erleichtert».
Der Kanton Appenzell-Ausserrhoden bezahlt weiterhin rund einen Drittel der Kosten der Spitalseelsorge. (Bild: Keystone/LAIF/ Selina Pfrüner)

Der Kanton Appenzell-Ausserrhoden wird sich weiterhin an der Finanzierung der Spitalseelsorge beteiligen. Das beschloss der Kantonsrat am Montag gegen den Willen des Regierungsrats. Dieser hatte in seinem Voranschlag die Gelder für die Spitalseelsorge gestrichen, trotz beantragter Steuererhöhung (ref.ch berichtete).

Die Seelsorge wird in Herisau im Spital (30 Prozent reformiert, 30 Prozent katholisch) und im Psychiatrischen Zentrum (50 Prozent reformiert und 50 Prozent katholisch) angeboten.

Martina Tapernoux, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell, verwies im Vorfeld der Debatte auf die gesamtgesellschaftliche Leistung der Spitalseelsorge, die etwa zur Hälfte von Mitgliedern der Landeskirchen in Anspruch genommen wird. Im Kanton Appenzell-Ausserrhoden zahlen Firmen keine Kirchensteuern. Auch einen Staatsbeitrag für gesamtgesellschaftliche Leistungen gibt es nicht.

Der Antrag, weiterhin ein Drittel des Budgets der Spitalseelsorge zu bezahlen, stammte von vier Kantonsräten und einer Kantonsrätin von EVP und Mitte. «Es ist eine wichtige Arbeit, die hier geleistet wird, auch zur Entlastung des Spitalpersonals», sagte Antragssteller Mathias Steinhauer (EVP). Bei einem Abbau der Seelsorge würden die Kosten mittelfristig zunehmen. «Sei es durch externe Fachpersonen, Kriseninterventionen, ambulante oder stationäre psychiatrische Behandlungen.»

Angenommen wurde der Antrag nach knapp halbstündiger Diskussion mit 33 zu 26 Stimmen bei 5 Enthaltungen. Es war der einzige Posten, der vom Kantonsrat wieder ins Budget aufgenommen wurde. Die bürgerlichen Parteien brachten weitere Sparanträge durch, die Steuern wurden nicht erhöht.

Frau Tapernoux, Sie verfolgten die Budgetdebatte im Kantonsratssaal in Herisau. Wie fühlen Sie sich, nachdem der Kantonsrat die Gelder für die Spitalseelsorge wieder ins Budget aufnahm?
Ich bin extrem erleichtert, die Nacht zuvor habe ich nicht gut geschlafen. Während der Debatte war kurz vor dem Entscheid zur Seelsorge noch die beantragte Steuererhöhung gescheitert, obwohl der Finanzvorsteher auf tiefere Steuereinnahmen im laufenden Jahr hingewiesen hatte. Da dachte ich, jetzt ist es für die Spitalseelsorge gelaufen. Aber es kam zum Glück anders.

In den Tagen vor der Budgetdebatte wirkten Sie nicht sonderlich optimistisch. Wie kam es zu dieser Wende?
Das weiss ich ehrlicherweise gar nicht so richtig. Aber ich bin extrem erleichtert. Für uns als Kirche, aber auch für die Psychiatrie, das Spital und natürlich unsere Angestellten und die Patienten. In der Psychiatrie ist es ein wesentlicher Faktor, dass die Seelsorgenden nicht zum System gehören, das manchmal harte Entscheide treffen muss. Die Seelsorgenden können dann wieder eine Brücke zwischen Patienten und Personal bauen, falls das nötig ist.

Hatten Sie im Vorfeld lobbyiert?
Ja, natürlich. Wir haben allen Mitgliedern des Kantonsrats einen Brief geschrieben, ich habe alle Fraktionspräsidien und etwa einen Drittel des Kantonsrats abtelefoniert. In den Fraktionssitzungen haben verschiedene Mitglieder ein von uns erstelltes Argumentarium präsentiert. Es gab zwei grosse Artikel in unseren beiden Lokalzeitungen. Pfarrpersonen und Synodale haben mit den Mitgliedern des Kantonsräten aus ihren Dörfern gesprochen.

Bei einer Streichung des kantonalen Beitrags hätten die Landeskirchen ihren Beitrag erhöhen müssen.
Ja, für 2026 hätten wir den Betrag wohl noch übernehmen können, aber nicht auf ewig. Dann hätte man weiterschauen und Drittmittel suchen müssen.

Den Finanzen des Kantons Appenzell-Ausserrhoden geht es schlecht, die Verschuldung steigt. War dieser Antrag des Regierungsrats ein Warnschuss, um die Finanzierung der Seelsorge längerfristig anders aufzustellen?
Das weiss ich heute noch nicht, aber damit werden wir uns sicher befassen müssen. Gut möglich, dass der Spitalverbund eine neue Leistungsvereinbarung abschliessen will. Im Vorfeld der Budgetdebatte machten die Landeskirchen der Regierung einen Kompromissvorschlag, der den Kanton um 26'000 Franken entlastet hätte.

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema