Jenische und Sinti
Offener Brief fordert unabhängige Aufarbeitung
Eine Gruppe von Schweizer Bürgerinnen und Bürgern fordert vom Bundesrat die Einsetzung einer unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die im 20. Jahrhundert an Jenischen und Sinti begangen wurden.
In einem offenen Brief verlangen die 110 Unterzeichnenden eine vertiefte Untersuchung von Kindswegnahmen, Zwangssterilisationen, Heiratsverboten und weiteren staatlichen Eingriffen.
Dem Aufruf haben sich laut einer Medienmitteilung innerhalb von sechs Tagen Wissenschaftler, Kulturschaffende, Religionsvertreter, Menschenrechtsaktivisten, Politiker sowie Angehörige der betroffenen Minderheiten angeschlossen.
2025 hatten der Bundesrat und Anfang 2026 der Nationalrat die Verfolgung von Jenischen und Sinti als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft. Staatliche Institutionen hätten den Betroffenen und ihren Familien schweres Leid zugefügt, hielt der Nationalrat fest. Bis 1973 kam es laut Bundesrat zu rund 2000 Fremdplatzierungen. Beteiligt waren neben der Stiftung Pro Juventute auch Behörden und kirchliche Hilfswerke.
Bis Ende dieses Monats soll das Eidgenössische Departement des Innern dem Bundesrat einen Bericht vorlegen, ob die bereits geleistete Erinnerungsarbeit ausgeweitet werden sollte. Die Unterzeichnenden des Offenen Briefes fordern, dass der Beschluss für eine Kommission zur Aufarbeitung im Juni 2026 gefasst werden soll. «Dem Jahr, in dem sich der Beginn der organisierten Verfolgung dieser Minderheiten zum hundertsten Mal jährt», heisst es in der Mitteilung. (gab)