Krieg im Nahen Osten

Israel weitet Angriffe im Gazastreifen aus

Bei einer Attacke auf eine Klinik im Süden des abgeriegelten Küstengebiets ist laut palästinensischen Angaben ein hochrangiges Hamas-Mitglied getötet worden. Israels Verteidigungsminister hat seine Truppen dafür gelobt.

Spitalpersonal in der Stadt Chan Junis im Gazastreifen teilte mit, das israelische Militär habe mit seinem Bombardement die zweite Etage der Klinik getroffen. Israels Armee sagte, Ziel sei ein wichtiges Hamas-Mitglied gewesen, das dort aktiv gewesen sei.

Bei dem Hamas-Mitglied handelte es sich laut der Terrororganisation um Ismail Barhum. Die Hamas nannte ihn «eine tragende Säule». Verteidigungsminister Israel Katz lobte die Armee für die Tötung. Israelischen Medien zufolge war Barhum als Politbüro-Mitglied für die Verteilung von Geldern innerhalb der Terrororganisation zuständig.

Israels Armee warf der Hamas vor, das Spital als Unterschlupf zu missbrauchen. Nach Darstellung der Hamas war Barhum dort behandelt worden. Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhängig prüfen. Bei einem israelischen Luftangriff im südlichen Gazastreifen war kurz zuvor ein anderer ranghoher Hamas-Funktionär getötet worden.

Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas verurteilte bei einem Besuch in der Region die neuen Angriffe im Gazastreifen und forderte die Wiederaufnahme der humanitären Hilfe. Gemeinsam mit dem Arabisch-Islamischen Ministerkomitee veröffentlichte sie eine Stellungnahme. Darin wird eine sofortige Rückkehr zur vollständigen Umsetzung des Abkommens über eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln und Häftlingen gefordert.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu plant laut «Wall Street Journal» eine neue grossangelegte Bodenoffensive. Der Ministerpräsident und sein Sicherheitskabinett seien davon überzeugt, dass die Einnahme grösserer Gebiete es Israel erlauben würde, die Hamas endgültig zu besiegen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise.

Die Zahl der seit Beginn des Gaza-Krieges vor eineinhalb Jahren im Gazastreifen getöteten Palästinenserinnen und Palästinenser stieg nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde auf mehr als 50’000. Zahlreiche Menschen gelten noch als vermisst. Die Angaben, die nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterscheiden, lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Internationale Organisationen wie die UN betrachten sie als weitgehend glaubwürdig.

Auslöser des Gaza-Krieges war der Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. (sda/ dst)

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