Klimawandel

Inselbewohner fordern Entschädigung von Holcim

Die indonesische Insel Pari ist akut vom Klimawandel betroffen. Nun gehen vier Bewohnerinnen und Bewohner juristisch gegen den Schweizer Zementkonzern Holcim vor – wegen dessen CO2-Ausstosses. Unterstützt werden sie unter anderem vom Hilfswerk Heks.

Indonesien leidet stark unter dem Klimawandel. Auch in der Hauptstadt Jakarta werden häufig ganze Stadtteile überschwemmt. (Bild: Keystone/Laif/Nora Bibel)

Weil sie vermehrt von Überschwemmungen auf ihrer Insel betroffen sind, haben drei Bewohner und eine Bewohnerin der indonesischen Insel Pari in Zug ein Schlichtungsgesuch gegen Holcim eingereicht. Dabei würden sich die Betroffenen auf die Menschenrechte und die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte berufen, schrieb das Hilfswerk der evangelischen Kirchen (Heks) in einer Mitteilung vom 12. Juli. Konkret werden auf Pari immer mehr Häuser überflutet. Die Insel werde voraussichtlich in den nächsten 30 Jahren grösstenteils untergehen, sagt Nina Burri von Heks auf Nachfrage von ref.ch.

Die Betroffenen fordern von Holcim eine rasche Reduktion der CO2-Emissionen und Entschädigungen für klimabedingte Schäden. Auch für mögliche künftige Schäden soll der Konzern aufkommen. So wollen die Indonesier, dass Holcim Flutschutzmassnahmen mitfinanziert.

«Globale Gerechtigkeit»

Laut Angaben von Heks ist es das erste Mal, dass ein Schweizer Konzern sich rechtlich für seine Rolle beim Klimawandel verantworten muss. Holcim sei einer der 50 grössten CO2-Emittenten aller Unternehmen weltweit. Damit trage der Zementhersteller einen massgeblichen Teil der Verantwortung für die Folgen des Klimawandels, heisst es in der Mitteilung. Gerade bei diesen Firmen würde eine Reduktion der Emissionen verhältnismässig viel bewirken, erläutert Nina Burri weiter.

«Wir wollen mit dieser Kampagne stellvertretend für die vielen Betroffenen auf die unmittelbaren Folgen des Klimawandels aufmerksam machen. Denn diese zeigen sich schon heute», betont Burri. Es sei unfair, dass die Menschen im globalen Süden die Kosten tragen müssten für die Ausstösse von grossen Konzernen. «Es geht um globale Gerechtigkeit.»

Klimaversprechen einhalten

Die Inselbewohner hätten diskutiert, welchen Weg sie wählen wollten. Heks, die Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional Human Rights und die indonesische Umweltorganisation Walhi unterstützen sie in ihren Forderungen.

Heks hofft, dass Holcim im Verfahren auf die Forderungen der vier Personen eingeht. «Holcim hat grosse Klimaversprechen gemacht. Die soll das Unternehmen nun auch einhalten», so Nina Burri.

Holcim schrieb auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass das Unternehmen bis 2050 zum Ziel habe, ein klimaneutrales Unternehmen zu werden. Die Ziele seien von der sogenannten Science Based Targets Initiative – einer Partnerschaft verschiedener Organisationen wie etwa dem WWF – validiert worden. (sda/mos)